Hallo Freunde,
heute also, wie am 20. September angekündigt, die Fortsetzung zu "Freakish". James Dapogny, der verdienstvolle Herausgeber vieler Mortonscher Kompositionen, hat zu dem Titel ein differenziertes Verhältnis. In seiner Edition "Ferdinand `Jelly Roll` Morton - The Collected Piano Music" bezeichnet er "Freakish" gemeinsam mit dem Stück "Pep" als "more conventional three-strain pieces" (Seite 259). In der harmonischen Gestaltung (siehe dazu meinen Beitrag vom 20.09.2014) erkennt Dapogny dagegen Morton`s Intention, sich mit einem "modernen" Werk als Komponist auf der Höhe der Zeit und den New Yorker Jazzgrößen - dort residierte Jelly seit 1928 - ebenbürtig zu präsentieren (Seite 365). "Freakish" wäre somit eine auch zeitlich unmittelbare Antwort auf die in der New Yorker Szene vorangetriebene Entwicklung des Jazz.
Da bin ich ausnahmsweise einmal anderer Meinung als James Dapogny. Er selbst weist ja auf den Widerspruch hin: das Stück ist formal eher konventionell,zeigt aber eine scheinbar "moderne" Harmonik. Die Harmonik von "Freakish" hat ja, wie von mir dargestellt, zwei Besonderheiten:
es handelt sich zum einen um Nonen-Akkorde, die, zum anderen, chromatisch absteigen. Chromatik an sich ist aber für Jelly nicht ungewöhnlich. Ich erinner nur an den "Frog-I-More Rag" mit seinen chromatisch - ebenfalls über vier Takte - aufsteigenden Septakkorden, ebenfalls im ersten Teil. Dieser Rag(!) wurde schon 1918 zum Copyright angemeldet. Im Unterschied zu "Freakish" allerdings sind die aufsteigenden Akkorde beim "Frog-I-More Rag" rhythmisch parallel angeordnet. In beiden Fällen aber fehlt der Two-Beat-Bass.
Bleiben also die Nonen-Akkorde. In der Sheet-Music-Ausgabe des "Japanese Sandman", eines Top-Hits von Richard A. Whiting, findet sich als Vorspiel eben die Nonenfolge aus "Freakish", in einer ähnlichen rhythmischen Verschiebung. Das Vorspiel im "Japanese Sandman", das im weiteren Verlauf des Songs keine Entsprechung hat, dient hier offenbar dazu, die entrückte Traumstimmung für den Kontext herzustellen: "Here`s the Japanese Sandman, sneaking on with the dew. Just an old second hand man, he`llbuy your old day from you". Soweit das Zitat aus dem Text von Raymond B. Egan. Die chromatisch absteigenden Nonen dienen also zur Einstimmung auf ein exotisch angehauchtes Schlaflied, natürlich ganz im Stil der Zeit. "Japanese Sandman" wurde im Jahr 1920 publiziert. Die absteigende Nonen-Chromatik war also 1929 bestenfalls bedingt modern. Mir scheint es durchaus möglich, dass Jelly sich bei diesem Vorspiel bedient und es zur Grundlage seiner Komposition gemacht hat. Damit eröffnet sich auch ein ganz anderes Zeitfenster. Morton kann "Freakish" durchaus schon Jahre vor der Einspielung 1929 geschaffen haben. Oder er hat es, wie so oft, kurzfristig aus mehreren Bausteinen zusammengesetzt. "Freakish" als eine unmittelbare Antwort auf die Entwicklung des zeitgenössischen Jazz der späten 20er Jahre zu verstehen, erscheint mir jedenfalls kaum schlüssig........
www.ok-jazzband.de - CD: Tribute to Jelly Roll Morton (iTunes, Amazon).
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Samstag, 27. September 2014
Samstag, 20. September 2014
Jelly-Roll Morton - Freakish
Hallo Freunde,
"freakish", das kann man wohl übersetzen mit "grillenhaft" oder "versponnen". Ich liebe diese Komposition von Jelly Roll Morton. Es hat sie zweimal als Piano-Solo eingespielt: am 8. Juli 1929 und im Frühsommer 1938. Der Titel ist treffend: Jelly präsentiert als erstes Thema eine sich in Halbtonschritten abwärts bewegende, rhythmisch variierende Nonenfolge - für ihn eher untypisch. Auch der zweite Teil bedient sich chromatischer Halbtonschritte. Diesmal aber sind es Septakkorde, die nach unten führen. Sie sind ebenfalls rhythmisch stark akzentuiert. Während allerdings der erste Teil, der übrigens ungewöhnliche 22 Takte zählt, durch einen Wechsel zwischen rhythmischer Pointierung und für Jelly typischem Stomp-Rhythmus gekennzeichnet ist, wird im zweiten Thema die metrische Verschiebung mit einiger Konsequenz durchgehalten. Dies verleiht dem Stück einen impressionistischen Charakter. Der dritte Teil schließlich ist ein swingendes, luftig-leichtes Trio mit vielen Achtel-Triolen, das im klassischen Two-Beat daher kommt, keine harmonischen Besonderheiten aufweist und sozu den vorausgehenden Themen in einem stimmungsvollen Kontrast steht. Die Verbindung zur für Jelly ungewöhnlichen Chromatik wird durch ein Interludium - diesmal mit aufsteigenden Nonen - und das Nachspiel hergestellt, das aus der absteigenden Sequenz des ersten Teils besteht.
Die ganze Atmosphäre des Stücks, ich beziehe mich hier auf die Einspielung von 1929, erweckt bei mir den Eindruck, dass Jelly sich hier einmal aus den Sorgen und Nöten der Musikerexistenz in eine andere Welt "hinausgespielt" hat. Die vielen und weiten Touren, die nervenaufreibenden Verhandlungen mit Agenten, die Probleme, ein großes Orchester zusammenzuhalten: das alles dürfte ihm zugesetzt haben. Und 1929 begann sein Stern zudem zu sinken. Mich aber nimmt Jelly bei "Freakish" jedesmal mit auf die Reise hinaus aus der grauen Realität. Mehr zu dem Stück in meinem nächsten Beitrag.......
www.ok-jazzband.de - CD "Tribute To Jelly Roll Morton"
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
"freakish", das kann man wohl übersetzen mit "grillenhaft" oder "versponnen". Ich liebe diese Komposition von Jelly Roll Morton. Es hat sie zweimal als Piano-Solo eingespielt: am 8. Juli 1929 und im Frühsommer 1938. Der Titel ist treffend: Jelly präsentiert als erstes Thema eine sich in Halbtonschritten abwärts bewegende, rhythmisch variierende Nonenfolge - für ihn eher untypisch. Auch der zweite Teil bedient sich chromatischer Halbtonschritte. Diesmal aber sind es Septakkorde, die nach unten führen. Sie sind ebenfalls rhythmisch stark akzentuiert. Während allerdings der erste Teil, der übrigens ungewöhnliche 22 Takte zählt, durch einen Wechsel zwischen rhythmischer Pointierung und für Jelly typischem Stomp-Rhythmus gekennzeichnet ist, wird im zweiten Thema die metrische Verschiebung mit einiger Konsequenz durchgehalten. Dies verleiht dem Stück einen impressionistischen Charakter. Der dritte Teil schließlich ist ein swingendes, luftig-leichtes Trio mit vielen Achtel-Triolen, das im klassischen Two-Beat daher kommt, keine harmonischen Besonderheiten aufweist und sozu den vorausgehenden Themen in einem stimmungsvollen Kontrast steht. Die Verbindung zur für Jelly ungewöhnlichen Chromatik wird durch ein Interludium - diesmal mit aufsteigenden Nonen - und das Nachspiel hergestellt, das aus der absteigenden Sequenz des ersten Teils besteht.
Die ganze Atmosphäre des Stücks, ich beziehe mich hier auf die Einspielung von 1929, erweckt bei mir den Eindruck, dass Jelly sich hier einmal aus den Sorgen und Nöten der Musikerexistenz in eine andere Welt "hinausgespielt" hat. Die vielen und weiten Touren, die nervenaufreibenden Verhandlungen mit Agenten, die Probleme, ein großes Orchester zusammenzuhalten: das alles dürfte ihm zugesetzt haben. Und 1929 begann sein Stern zudem zu sinken. Mich aber nimmt Jelly bei "Freakish" jedesmal mit auf die Reise hinaus aus der grauen Realität. Mehr zu dem Stück in meinem nächsten Beitrag.......
www.ok-jazzband.de - CD "Tribute To Jelly Roll Morton"
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Freitag, 12. September 2014
Jelly Roll Morton - Fat Frances
Hallo Freunde,
es ist ja immer gut, wenn man sich erinnert, was früher so aus der Feder geflossen ist. Das damals Geschriebene wird durch neue Erkenntnisse bestätigt oder aber revidiert. Manchmal auch erweitern zusätzliche Aspekte das Spektrum, ohne das damals Verfasste in Frage zu stellen. So ergeht es mir im Augenblick mit "Frances", einer Komposition von Jelly Roll Morton, die auch unter dem Titel "Fat Frances" bekannt ist. Jelly hat sie 1929 als Piano-Solo eingespielt. Genauer gesagt: es geht mir nicht um die Komposition an sich, sondern um den Titel des Werkes.
In meinem Beitrag vom 6. April 2013 in diesem Blog hatte ich ausgeführt, dass Morton vielleicht neben Anita Gonzales und Mabel Bertrand eine weitere große Liebe hatte, die er verewigte, indem er den Vornamen über eine seiner Schöpfungen stellte. Anita Gonzales, der Liebe aus seiner Zeit an der Westküste, hatte er bekanntlich mit den Titeln "Mamanita" und "Sweet Anita Mine" ein musikalisches Denkmal gesetzt. Mabel Bertrand kam in der Namensgebung seines Stückes "Fussy Mabel" zu Ehren.
Mit "Frances", so meine am 6. April 2013 formulierte Theorie, könnte die Sängerin Frances Hereford gemeint sein, mit der Morton 1928 einige Titel einspielte. Dies war und ist nicht mehr als eine Vermutung. Man weiß einfach zu wenig über Frances Hereford. Meine Vermutung kann also richtig sein, ebenso gut aber auch falsch. Ich möchte meinen Überlegungen zu "Frances" aber einen neuen Aspekt hinzufügen. "Frances" war auch der Vorname von Jelly`s jüngerer Schwester. Ihr musste sich Morton besonders verpflichtet fühlen, seit sie ihn 1925 in Chicago ca. ein halbes Jahr lang während einer Krankheit pflegte (von Mai bis Oktober). Über die Krankheit selbst sind wir nicht näher informiert. Einige aufschlussreiche Details finden sich in dem hervorragenden Buch "Dead Man Blues" von Phil Pastras auf Seite 131. Dass sich Frances so liebevoll um ihren grossen Bruder kümmerte, weist auf ein besonders enges Verhältnis zwischen den Geschwistern hin. Was also lag für Jelly näher, als die Schwester durch die Namensgebung eines seiner Werke zu ehren! Wann die Komposition genau entstanden ist, wissen wir nicht. Morton könnte aber durchaus ein schon vor 1925 entstandenes Werk auf den Namen "Frances" umgetauft haben. Dies wäre in seinem Schaffen keine Ausnahme.
Vielleicht war also mit "Frances" die Sängerin Frances Hereford gemeint, vielleicht auch nicht. Vielleicht war es Frances Morton Oliver, so der vollständige Name der jüngeren Schwester, vielleicht auch nicht. Wenn es neue Erkenntnisse gibt, werde ich mich in diesem Blog wieder mit dem Thema befassen. Vielleicht auch nicht.........
www.ok-jazzband.de - CD: "Tribute To Jelly Roll Morton" (amazon, iTunes, spotify).
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
es ist ja immer gut, wenn man sich erinnert, was früher so aus der Feder geflossen ist. Das damals Geschriebene wird durch neue Erkenntnisse bestätigt oder aber revidiert. Manchmal auch erweitern zusätzliche Aspekte das Spektrum, ohne das damals Verfasste in Frage zu stellen. So ergeht es mir im Augenblick mit "Frances", einer Komposition von Jelly Roll Morton, die auch unter dem Titel "Fat Frances" bekannt ist. Jelly hat sie 1929 als Piano-Solo eingespielt. Genauer gesagt: es geht mir nicht um die Komposition an sich, sondern um den Titel des Werkes.
In meinem Beitrag vom 6. April 2013 in diesem Blog hatte ich ausgeführt, dass Morton vielleicht neben Anita Gonzales und Mabel Bertrand eine weitere große Liebe hatte, die er verewigte, indem er den Vornamen über eine seiner Schöpfungen stellte. Anita Gonzales, der Liebe aus seiner Zeit an der Westküste, hatte er bekanntlich mit den Titeln "Mamanita" und "Sweet Anita Mine" ein musikalisches Denkmal gesetzt. Mabel Bertrand kam in der Namensgebung seines Stückes "Fussy Mabel" zu Ehren.
Mit "Frances", so meine am 6. April 2013 formulierte Theorie, könnte die Sängerin Frances Hereford gemeint sein, mit der Morton 1928 einige Titel einspielte. Dies war und ist nicht mehr als eine Vermutung. Man weiß einfach zu wenig über Frances Hereford. Meine Vermutung kann also richtig sein, ebenso gut aber auch falsch. Ich möchte meinen Überlegungen zu "Frances" aber einen neuen Aspekt hinzufügen. "Frances" war auch der Vorname von Jelly`s jüngerer Schwester. Ihr musste sich Morton besonders verpflichtet fühlen, seit sie ihn 1925 in Chicago ca. ein halbes Jahr lang während einer Krankheit pflegte (von Mai bis Oktober). Über die Krankheit selbst sind wir nicht näher informiert. Einige aufschlussreiche Details finden sich in dem hervorragenden Buch "Dead Man Blues" von Phil Pastras auf Seite 131. Dass sich Frances so liebevoll um ihren grossen Bruder kümmerte, weist auf ein besonders enges Verhältnis zwischen den Geschwistern hin. Was also lag für Jelly näher, als die Schwester durch die Namensgebung eines seiner Werke zu ehren! Wann die Komposition genau entstanden ist, wissen wir nicht. Morton könnte aber durchaus ein schon vor 1925 entstandenes Werk auf den Namen "Frances" umgetauft haben. Dies wäre in seinem Schaffen keine Ausnahme.
Vielleicht war also mit "Frances" die Sängerin Frances Hereford gemeint, vielleicht auch nicht. Vielleicht war es Frances Morton Oliver, so der vollständige Name der jüngeren Schwester, vielleicht auch nicht. Wenn es neue Erkenntnisse gibt, werde ich mich in diesem Blog wieder mit dem Thema befassen. Vielleicht auch nicht.........
www.ok-jazzband.de - CD: "Tribute To Jelly Roll Morton" (amazon, iTunes, spotify).
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Samstag, 23. August 2014
Jazz-Konfekt in der Bonner Rheinaue
Hallo Freunde,
gestern gastierte die Band Jazz-Konfekt in der Bonner Rheinaue. Ich hoffe, es war wieder ein erfrischender, swingender Abend. Bei Jazz-Konfekt habe ich daran bekanntlich keine Zweifel. Die Jungs aus Düsseldorf überzeugen regelmäßig mit ihrer vielseitigen, bunten Mischung, die gekonnt bzw. - um im Bild zu bleiben - wohlschmeckend dargeboten wird. Jazz-Konfekt eben. Sorgen macht mir aber im Moment das Wetter. Es ist launisch wie im April und frühherbstlich von den Temperaturen. Meteorologen prophezeien ja, dass der Sommer dieses Jahr nicht wiederkommt. Für die vielen noch anstehenden Open-Air-Veranstaltungen sind das keine guten Voraussetzungen.
Übrigens der nächste Termin laut Veranstaltungskalender von Jazz-Konfekt ist am 30. August um 11.30 Uhr in Bad Soden am Taunus im Rahmen der Reihe "Jazz am Quellenpark". Den Termin habe ich der Web-Site von Jazz-Konfekt entnommen. Wie immer von hier aus ohne Gewähr. Die OK-JAZZBAND wünscht den Kollegen aus Düsseldorf und natürlich allen anderen Gruppen trotz der ungünstigen Prognosen viel Glück mit dem Wetter.......
www.ok-jazzband.de
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
gestern gastierte die Band Jazz-Konfekt in der Bonner Rheinaue. Ich hoffe, es war wieder ein erfrischender, swingender Abend. Bei Jazz-Konfekt habe ich daran bekanntlich keine Zweifel. Die Jungs aus Düsseldorf überzeugen regelmäßig mit ihrer vielseitigen, bunten Mischung, die gekonnt bzw. - um im Bild zu bleiben - wohlschmeckend dargeboten wird. Jazz-Konfekt eben. Sorgen macht mir aber im Moment das Wetter. Es ist launisch wie im April und frühherbstlich von den Temperaturen. Meteorologen prophezeien ja, dass der Sommer dieses Jahr nicht wiederkommt. Für die vielen noch anstehenden Open-Air-Veranstaltungen sind das keine guten Voraussetzungen.
Übrigens der nächste Termin laut Veranstaltungskalender von Jazz-Konfekt ist am 30. August um 11.30 Uhr in Bad Soden am Taunus im Rahmen der Reihe "Jazz am Quellenpark". Den Termin habe ich der Web-Site von Jazz-Konfekt entnommen. Wie immer von hier aus ohne Gewähr. Die OK-JAZZBAND wünscht den Kollegen aus Düsseldorf und natürlich allen anderen Gruppen trotz der ungünstigen Prognosen viel Glück mit dem Wetter.......
www.ok-jazzband.de
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Dienstag, 19. August 2014
Heinz-Josef Thissen ist tot
Hallo Freunde,
die Jazzmusiker aus seinem Umfeld wissen es schon: Heinz-Josef Thissen ist tot. Er starb im Alter von 74 Jahren. Heinz hatte sich schon vor einiger Zeit von der aktiven Musik zurück gezogen. Sein Instrument, mit dem er die Kölner Jazzszene betrat, war die Klarinette. Später machte er das Banjo zu seinem Hauptinstrument. Das Banjo erlaubte es ihm, seine Fähigkeiten als Entertainer besser zur Geltung zu bringen. Seine unverwechselbaren Gesangseinlagen krönten die Aufführungen vieler Stücke. Auch ich habe ihn immer wieder gern gehört, spielte allerdings nie gemeinsam mit ihm in einer Band. Heinz war ein begehrter Musiker bei vielen Gruppen. Sie schätzten ihn nicht nur als Musiker, sondern auch wegen seines freundlichen, gewinnenden Wesens. Als Banjospieler wirkte er z.B. bei der Climax Band Cologne und bei Papa Joe`s Jazzmen mit. Als Klarinettist, wenn ich mich recht erinnere, bei der Kölner Marycastle Jazzband. Es gab aber noch mehr Gruppen im Lauf der Jahre, die er mit seinen musikalischen Fähigkeiten bereicherte.
Im Hauptberuf war Heinz bekanntlich Altertumswissenschaftler, wurde Professor für Ägyptologie.
In den 70er Jahren, damals war er Assistent, habe ich ihn gelegentlich während der Mittagspause in seinem Institut an der Universität Köln besucht. In der Bibliothek, die im Untergeschoss untergebracht war, haben wir uns dann - die Studenten waren gerade in der Mensa - über unsere gemeinsame Leidenschaft ausgetauscht. Ab und zu kam auch noch ein Akademischer Rat dazu. Sein Name war Weber, wenn ich micht recht erinnere.
Wie ich gehört habe, ist die Beisetzung am kommenden Samstag, 23. August, in Bad Münstereifel.
Sicher werden neben Angehörigen, ehemaligen Kollegen und Freunden auch frühere Bandmitglieder dabei sein und ihm die letzte Ehre erweisen.......
www.ok-jazzband.de
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
die Jazzmusiker aus seinem Umfeld wissen es schon: Heinz-Josef Thissen ist tot. Er starb im Alter von 74 Jahren. Heinz hatte sich schon vor einiger Zeit von der aktiven Musik zurück gezogen. Sein Instrument, mit dem er die Kölner Jazzszene betrat, war die Klarinette. Später machte er das Banjo zu seinem Hauptinstrument. Das Banjo erlaubte es ihm, seine Fähigkeiten als Entertainer besser zur Geltung zu bringen. Seine unverwechselbaren Gesangseinlagen krönten die Aufführungen vieler Stücke. Auch ich habe ihn immer wieder gern gehört, spielte allerdings nie gemeinsam mit ihm in einer Band. Heinz war ein begehrter Musiker bei vielen Gruppen. Sie schätzten ihn nicht nur als Musiker, sondern auch wegen seines freundlichen, gewinnenden Wesens. Als Banjospieler wirkte er z.B. bei der Climax Band Cologne und bei Papa Joe`s Jazzmen mit. Als Klarinettist, wenn ich mich recht erinnere, bei der Kölner Marycastle Jazzband. Es gab aber noch mehr Gruppen im Lauf der Jahre, die er mit seinen musikalischen Fähigkeiten bereicherte.
Im Hauptberuf war Heinz bekanntlich Altertumswissenschaftler, wurde Professor für Ägyptologie.
In den 70er Jahren, damals war er Assistent, habe ich ihn gelegentlich während der Mittagspause in seinem Institut an der Universität Köln besucht. In der Bibliothek, die im Untergeschoss untergebracht war, haben wir uns dann - die Studenten waren gerade in der Mensa - über unsere gemeinsame Leidenschaft ausgetauscht. Ab und zu kam auch noch ein Akademischer Rat dazu. Sein Name war Weber, wenn ich micht recht erinnere.
Wie ich gehört habe, ist die Beisetzung am kommenden Samstag, 23. August, in Bad Münstereifel.
Sicher werden neben Angehörigen, ehemaligen Kollegen und Freunden auch frühere Bandmitglieder dabei sein und ihm die letzte Ehre erweisen.......
www.ok-jazzband.de
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Sonntag, 17. August 2014
OK-Jazzband - 250. Beitrag
Hallo Freunde,
dies ist heute mein 250. Beitrag zum Thema "Traditioneller Jazz" in diesem Blog. Dabei erfahrt Ihr neben Historischem ja immer auch Neues aus der Oldtime-Jazzszene. Ich möchte dieses kleine Jubiläum zum Anlass nehmen, um ein Missverständnis aufzuklären.
Schon am 19. April dieses Jahres hatte ich, in Verbindung mit meinem Ostergruß, den 250. Beitrag gezählt. Tatsächlich aber musste ich später feststellen, dass unser Blog-Archiv auch alle zwar gespeicherten, aber nicht veröffentlichten Entwürfe mit gelistet hatte. Dies ist mir erst aufgefallen, als ich die Entwürfe gelöscht habe. Somit ist also der heutige 17. August der tatsächliche Tag des 250. Beitrags. Dies ist nicht weiter tragisch. Aber dem ein oder anderen Leser mag aufgefallen sein, dass sich in der Zählung etwas verändert hat, und so dient dies der Klarstellung.
Zum Thema Leser: der Blog der OK-JAZZBAND wurde mittlerweile weit über 10.000mal angeklickt. Darüber freue ich mich natürlich sehr. Nach wie vor sind auch viele Oldtimefreunde aus dem Ausland dabei. Nach den deutschen Nutzern liegen Leser aus den USA und Frankreich an zweiter und dritter Stelle. Besonders freue ich mich aus gegebenem Anlass, dass in der Rangliste der ausländischen Interessierten Leser aus Russland und der Ukraine unter den ersten zehn sind. Das zeigt: der traditionelle Jazz verbindet über Grenzen hinweg, auch wenn es politische Konflikte gibt.
Das macht Hoffnung. Ich wünsche allen Freunden der OK-JAZZBAND einen friedvollen Sonntag.....
www.ok-jazzband.de - CD "Tribute to Jelly Roll Morton" (iTunes, amazon)
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
dies ist heute mein 250. Beitrag zum Thema "Traditioneller Jazz" in diesem Blog. Dabei erfahrt Ihr neben Historischem ja immer auch Neues aus der Oldtime-Jazzszene. Ich möchte dieses kleine Jubiläum zum Anlass nehmen, um ein Missverständnis aufzuklären.
Schon am 19. April dieses Jahres hatte ich, in Verbindung mit meinem Ostergruß, den 250. Beitrag gezählt. Tatsächlich aber musste ich später feststellen, dass unser Blog-Archiv auch alle zwar gespeicherten, aber nicht veröffentlichten Entwürfe mit gelistet hatte. Dies ist mir erst aufgefallen, als ich die Entwürfe gelöscht habe. Somit ist also der heutige 17. August der tatsächliche Tag des 250. Beitrags. Dies ist nicht weiter tragisch. Aber dem ein oder anderen Leser mag aufgefallen sein, dass sich in der Zählung etwas verändert hat, und so dient dies der Klarstellung.
Zum Thema Leser: der Blog der OK-JAZZBAND wurde mittlerweile weit über 10.000mal angeklickt. Darüber freue ich mich natürlich sehr. Nach wie vor sind auch viele Oldtimefreunde aus dem Ausland dabei. Nach den deutschen Nutzern liegen Leser aus den USA und Frankreich an zweiter und dritter Stelle. Besonders freue ich mich aus gegebenem Anlass, dass in der Rangliste der ausländischen Interessierten Leser aus Russland und der Ukraine unter den ersten zehn sind. Das zeigt: der traditionelle Jazz verbindet über Grenzen hinweg, auch wenn es politische Konflikte gibt.
Das macht Hoffnung. Ich wünsche allen Freunden der OK-JAZZBAND einen friedvollen Sonntag.....
www.ok-jazzband.de - CD "Tribute to Jelly Roll Morton" (iTunes, amazon)
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Samstag, 16. August 2014
Chicago
Hallo Freunde,
das Chicago der 20er Jahre, als der traditionelle Jazz seine Hochblüte erlebte, war bekanntlich alles andere als eine liebenswerte Stadt. Zwischen dem Flair von New Orleans und der materialistischen Kälte der Windy City lagen Welten. Chicago war Industrie- und Handelsstadt, Verkehrsknotenpunkt und - der Schlachthof Amerikas. Dort suchten Zuwanderer aus der ganzen Welt und viele Schwarze aus den Südstaaten ihr Glück. In den 20er Jahren errangen Gangstersyndikate die Kontrolle über Teile der Stadt, lieferten sich blutige Gefechte untereinander und mit der Polizei. In der Rückschau wurden diese Zustände teilweise romantisierend verklärt. Der Jazz von King Oliver, Louis Armstrong und Jelly Roll Morton wurde Teil dieses wirklichkeitsfremden Gemäldes. Dabei ist es doch sehr wahrscheinlich, dass die Hot-Musik der Jazzgrössen ebenso dazu diente, die unbarmherzige Wirklichkeit zu verdrängen, wie der exzessive Alkoholkonsum, dem Gangster wie Al Capone ihren Reichtum verdankten, indem sie die Prohibition aushebelten. Dass im Ergebnis in dieser Zeit die grossartigsten Werke des traditionellen Jazz entstanden, steht dazu nicht im Widerspruch.
Chicago war seinem Wesen treu geblieben. Frederika Bremer, die von 1849-1851 Nordamerika und Kuba bereiste und ein Reisetagebuch in Briefen veröffentlichte, schrieb schon damals:
"Chicago ist eine der unangenehmsten und garstigsten Städte, die ich noch in Amerika gesehen habe, und verdient ihren Namen "Königin der Binnenseen" ganz und gar nicht. Denn so wie sie da am Ufer des Sees in grobem Negligé sitzt, gleicht sie mehr einer Trödlerin als einer Königin. Gewiss ist, dass die Stadt meist aus Kaufbuden zu bestehen scheint. Man sieht beinahe kein schönes Landhaus mit Gärten in oder außer der Stadt - was sonst in anderen Städten so gewöhnlich ist - und auf den Straßen meistens Bretterhäuser auf bretterbelegten oder breiten, sonnigen Straßen ohne Bretter. Und man sieht es an allem, dass die Leute hierher kommen, um zu handeln, um Geld zu machen, nicht aber um zu leben".
Letztendlich kamen auch die Jazzmusiker in die Stadt, um Geld zu verdienen. Und das war schwer genug. Viele hatten Abend für Abend mehrere Engagements hintereinander, um über die Runden zu kommen. Viele wurden nicht alt. Von Romantik also keine Spur. Auch der Jazz frass seine Kinder.....
www.ok-jazzband.de - CD "Tribute to Jelly Roll Morton" (iTunes, amazon)
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
das Chicago der 20er Jahre, als der traditionelle Jazz seine Hochblüte erlebte, war bekanntlich alles andere als eine liebenswerte Stadt. Zwischen dem Flair von New Orleans und der materialistischen Kälte der Windy City lagen Welten. Chicago war Industrie- und Handelsstadt, Verkehrsknotenpunkt und - der Schlachthof Amerikas. Dort suchten Zuwanderer aus der ganzen Welt und viele Schwarze aus den Südstaaten ihr Glück. In den 20er Jahren errangen Gangstersyndikate die Kontrolle über Teile der Stadt, lieferten sich blutige Gefechte untereinander und mit der Polizei. In der Rückschau wurden diese Zustände teilweise romantisierend verklärt. Der Jazz von King Oliver, Louis Armstrong und Jelly Roll Morton wurde Teil dieses wirklichkeitsfremden Gemäldes. Dabei ist es doch sehr wahrscheinlich, dass die Hot-Musik der Jazzgrössen ebenso dazu diente, die unbarmherzige Wirklichkeit zu verdrängen, wie der exzessive Alkoholkonsum, dem Gangster wie Al Capone ihren Reichtum verdankten, indem sie die Prohibition aushebelten. Dass im Ergebnis in dieser Zeit die grossartigsten Werke des traditionellen Jazz entstanden, steht dazu nicht im Widerspruch.
Chicago war seinem Wesen treu geblieben. Frederika Bremer, die von 1849-1851 Nordamerika und Kuba bereiste und ein Reisetagebuch in Briefen veröffentlichte, schrieb schon damals:
"Chicago ist eine der unangenehmsten und garstigsten Städte, die ich noch in Amerika gesehen habe, und verdient ihren Namen "Königin der Binnenseen" ganz und gar nicht. Denn so wie sie da am Ufer des Sees in grobem Negligé sitzt, gleicht sie mehr einer Trödlerin als einer Königin. Gewiss ist, dass die Stadt meist aus Kaufbuden zu bestehen scheint. Man sieht beinahe kein schönes Landhaus mit Gärten in oder außer der Stadt - was sonst in anderen Städten so gewöhnlich ist - und auf den Straßen meistens Bretterhäuser auf bretterbelegten oder breiten, sonnigen Straßen ohne Bretter. Und man sieht es an allem, dass die Leute hierher kommen, um zu handeln, um Geld zu machen, nicht aber um zu leben".
Letztendlich kamen auch die Jazzmusiker in die Stadt, um Geld zu verdienen. Und das war schwer genug. Viele hatten Abend für Abend mehrere Engagements hintereinander, um über die Runden zu kommen. Viele wurden nicht alt. Von Romantik also keine Spur. Auch der Jazz frass seine Kinder.....
www.ok-jazzband.de - CD "Tribute to Jelly Roll Morton" (iTunes, amazon)
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Abonnieren
Posts (Atom)