Sonntag, 17. März 2019

Jazz-Festival Balver Höhle mit Trad-Jazz

Hallo Freunde,

in den 70er und 80er Jahren war das Festival in der Balver Höhle ein renommierter Treffpunkt für Jazzfreunde. Dafür sorgten ein exquisites Programm und auch das außergewöhnliche Ambiente. Der Journalist Jürgen Overkott hat daran im vergangenen Jahr in einem Beitrag für die "Westfalenpost" erinnert. Anlass für seinen Artikel war die Veröffentlichung von Mitschnitten auf dem Label "BE!Records".

Der Autor geht auf den Gründer des Festivals, Karlheinz Klüter, ein Der initiierte 1956 in Menden den "Dixie-Club", machte 1970 - 1974 die Burg Altena zum Schauplatz eines Festivals für modernen Jazz und dann die Balver Höhle zur "Bühne für zukunftsweisende Sounds". Das währte bis 1983. Jürgen Overkott nennt einige herausragende Namen: Gary Burton (Vibraphon), Albert Mangelsdorff (Posaune), Pat Metheny (Guitarre) und Joachim Kühn (Piano).
Doch Ende der 70er Jahre, so der Autor, "ließ die Lust des Publikums auf Experimente nach". Ursächlich dafür seien auch die Ölkrise und das Ende des Wirtschaftswunders gewesen. Dem "Balver New Jazz Festival" ging "die Puste aus".

Ich möchte den interessanten und - wie ich finde - zutreffenden Artikel um einen Aspekt ergänzen. Das Festival in der Balver Höhle schloss nämlich auch den Trad-Jazz und seine Freunde ein. Er war also kein reines Forum für den zeitgenössischen Jazz. In meinen Unterlagen habe ich ein Programm von 1977 gefunden. Das Festival eröffnete mit einem "Hot Jazz Opening" (24. Juni 1977, von 18.00 bis 24.00 Uhr). "An diesem Abdend, der sich besonders großer Beliebtheit bei den Freunden des traditionellen Jazz erfreut, wieder hervorragende Oldtime-Gruppen aus dem In- und Ausland" (sic), so heißt es da. Dabei: "Seatown Seven", "Semmels Hot Shot`s", Errol Dixon, "Oscar Klein`s Bluesmen feat. Günter Boas" und das "René Franc Quartet".

Man sieht: es war damals gut möglich, das Alte und das Neue, wenn auch zeitlich getrennt, in einem Festival zu verbinden. Die Liste der Protagonisten zeigt natürlich, dass dem Zeitgeist mit der Betonung des Blueselements Rechnung getragen wurde. Das ist lang her und trotzdem erinnerungs-würdig. Möglich waren solche Veranstaltungen auch, weil es unermüdliche Streiter für den Jazz, wie eben Karlheinz Klüter, gab. Und schön wäre es, wenn wir wieder mehr von diesem Geist spüren würden.....

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Heribert von Stomp

Donnerstag, 14. März 2019

Lutzemann`s Jazzkapelle mit Smoking

Hallo Freunde,

dieser Tage fiel mir eine alte Ausgabe von "Papa Joe`s Kunst & Bier Blatt" in die Hände - und zwar aus dem Juni 1996. Schon damals hatte der Kölner "Streckstrump", um dessen Informationsblatt es sich bekanntlich handelt, 9279 Livekonzerte auf dem Buckel. Neben dem aktuellen Programm beinhalten die Ausgaben auch immer Informationen aus der Trad-Jazz-Szene, vorwiegend über Bands, die im Lauf des jeweiligen Monats auftreten.

Da findet man dann z.B. ein Foto von "Lutzemann`Jazzkapelle" (wobei ich mich zu erinnern meine, dass sich `Jazzkapelle`damals mit tz schrieb). Die fünf Musiker fein gekleidet mit Smoking, Stehkragen und Fliege - also ziemlich streckstrumpuntypisch. Die Erklräung findet sich im Text:
"Vor ihrer großen Kreuzfahrt auf der `M.S. Arkona`durch die Karibik wollen es sich die Musiker.....nicht nehmen lassen, in ihrer `Kreuzfahrt-Besetzung`noch einmal in der Altstadt zu spielen. `Das Schiff könnte ja untergehen`, meint Lutz, `und dann haben wir wenigstens einmal im Smoking bei Papa Joe gespielt`.

Natürlich ging das Schiff nicht unter, und so hatten Lutz und die anderen Musiker Gelegenheit für viele weitere Auftritte - mit oder ohne Smoking. Genau kann ich die "Kreuzfahrt-Besetzung" übrigens nicht identifizieren. Jörg Kuhfuß (Kornett), Michael Schneider (Posaune) und natürlich Lutz Eikelmann (Sousaphon) habe ich sofort erkannt. Bei den beiden anderen Mitspielern (Altsaxophon und Banjo) bin ich unsicher. Aber vielleicht kann Lutz uns weiterhelfen..........

P.S.: Das Konzert fand übrigens am 16. Juni statt, 15.30 Uhr. "Four-O`-Clock-Jazz" nannte sich das damals.

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Heribert von Stomp

Sonntag, 24. Februar 2019

Jelly Roll Morton: Sidewalk Blues II

Hallo Freunde,

Versprechen soll man halten. Es ist schon eine Weile her, dass ich Euch einen zweiten Beitrag zum "Sidewalk Blues" angekündigt habe, dem brühmten Stück von Jelly Roll Morton. Das war am 14. Mai 2016. Damals habe ich einige Strukturprinzipien durch den Verglaich des "Sidewalk Blues" mit "The Pearls" herausgearbeitet. Heute soll es nun um die Frage gehen: war der "Sidewalk Blues"  ein Plagiat? Das jedenfalls behauptet der Kornettist Lee Collins, der 1924 den "Fish Tail Blues", der in Teilen identisch mit dem "Sidewalk Blues" ist,  gemeinsam mit Morton aufnahm und die Komposition für sich reklamiert. Als Komponisten des "Fishtail Blues" wurden Collins und Morton - in dieser Reihenfolge - auf dem Plattenaufkleber gemeinsam genannt. Als Komponist des "Sidewalk Blues" erscheint nur noch Morton (dazu als Texter Walter Melrose).

Am besten ist in solchen Fällen eine gründliche Analyse, um zumindest zu einer Wahrscheinlichkeit zu kommen. Der "Fish Tail Blues" besteht im wesentlichen aus drei Teilen: zwei zwölftaktigen Bluesteilen und einem 32-taktigen Trio, das dem Stück seinen unverkennbaren Charakter verleiht.
Dazu kommt ein reizvolles Intro aus drei Instrumentalbreaks. Sie werden im "Fish Tail Blues" der Posaune gegeben, im "Sidewalk Blues" auf Posaune, Kornett und Klarinette aufgeteilt. Vor dem Trio findet sich eine Bridge, die den Tonartwechsel einleitet und sich ebenfall im "Sidewalk Blues" vom "Fish Tail Blues" unterscheidet. Sowohl Intro als auch Interludium können wir in unserer Analyse vernachlässigen.

Kommen wir zum ersten Bluesteil: die ersten acht Takte erscheinen mir für Morton nicht typisch. Sie können also durchaus von Collins komponiert sein. Die vier Schlusstakte klingen allerdings typisch Jelly-like. Man kennt diese Art des Schlussteils etwa aus dem "London Blues" oder dem "Dead Man Blues", beide von Morton vor 1924 komponiert - auch wenn der "Dead Man Blues" erst 1926 zum Copyright angemeldet wurde. Typisch für Morton auch, dass diese abschließende Sequenz in jedem Chorus wiederholt wird. In der späteren Version als "Sidewalk Blues" hat Morton die Eingangsphrase - melodisch, nicht rhythmisch - verändert: sie baut - aufsteigend - auf der Quinte, der Sexte und dem Grundton auf. Dieser melodische Aufbau findet sich bei Morton wiederholt: etwa beim Klarinetten-Trio im "Dead Man Blues" oder in der Eingangsphrase von "Soap Suds", beide 1926 mit Band eingespielt. Auch die vier Schlusstakte sind neu geschrieben.

Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Bluesteil. Die ersten acht Takte können wiederum von Collins stammen. Die Schlusssequenz ist dagegen wiederum - siehe oben - typisch Jelly. Auch hier ist aber festzustellen: der zweite Blues wurde für die Version "Sidewalk Blues" ab Takt fünf verändert.

Bleibt das Trio. Hier sei ein kurzer Abstecher zu dem Stück "Someday Sweetheart" vorausgeschickt, einem der großen Hits der 20er Jahre, von Morton zweimal aufgenommen. Der Titel wurde von den Brüdern John und Benjamin Spikes zum Copyright angemeldet, mit denen Morton während seiner ersten Zeit an der Westküste zusammenarbeitete. Morton hat zwar nicht für sich reklamiert, an der Komposition unmittelbar beteiligt gewesen zu sein. Er will aber die Brüder auf das Thema "Tricks Ain`t Walkin`No More" des Pianisten Kid North hingewiesen haben, das John und Benjamin dann für die Verse des Songs verwendeten. In unserem Zusammenhang ist wichtig, dass Morton sich intensiv mit "Someday Sweetheart" beschäftigt hat. Vergleicht man nun die Harmoniefolgen des Trios von
"Fish Tail Blues" bzw. "Sidewalk Blues" mit dem Chorus von Someday Sweetheart, ergeben sich  Parallelen in den Takten 1-16. Ich habe die Harmonien von "Someday Sweetheart" in die obere, die vom "Sidewalk Blues" in die untere Zeile geschrieben:

Ab/Ab6          /Ab/F7/Bb7/Eb7/Ab6 A0/Eb7/Ab6/Ab6 A0/CM/CM/GM7/GM7  /CM/CM
Ab/C7 Cm7-5/F7/F7/Bb7/Eb7/Ab        /Eb7/Ab  /Ab6 A0/CM/CM/G7   /A0 G7/CM/Eb7

Die Verwandtschaft der beiden Harmoniestränge scheint mir evident.Natürlich ist es denkbar, dass Lee Collins das Trio des "Fish Tail Blues" auf diesen Harmonien aufgebaut hat, er also Komponist auch des Trios ist. Ich halte es aber für wahrscheinlicher, dass Jelly Roll Morton mit der Harmoniefolge experimentiert und daraus das Trio entwickelt hat.

Meine Analyse führt zu folgendem Ergebnis: der erste und der zweite Bluesteil des "Fish Tail Blues" dürfte jeweils bis Takt acht Lee Collins zuzuschreiben sein. Morton hat den Schluss beigesteuert. Für den "Sidewalk Blues" hat Morton die beiden Bluesteile einer Revision unterzogen. Das Trio, das in beiden Fassungen fast unverändert das Stück trägt und prägt, möchte ich Morton zuordnen. Dies sind natürlich nur Indizien, keine Beweise. Jedenfalls hat Lee Collins  in jedem Fall die Miturheberschaft auch beim "Sidewalk Blues" verdient. Unabhängig davon, wer von den beiden Musikern welchen Anteil hatte, "Fish Tail Blues" und "Sidewalk Blues" sind einfach schöne Titel.......

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Heribert von Stomp

Samstag, 16. Februar 2019

Klimperkasten Gladbeck Nostalgisch II

Hallo Freunde,

in meinem vergangenen Beitrag hatte ich vom Auftritt der "OK-JAZZBAND" im Gladbecker "Klimperkasten" berichtet. Das ist jetzt ungefähr 20 Jahre her. Das genaue Datum habe ich ja nicht mehr. Jetzt ist mir noch zusätzlich ein Kurzbericht - Foto mit Bildunterschrift - aus der WAZ in die Hände gefallen, der allerdings auch keine Datumsangabe enthält. Ist aber interessant, weil das Bild die damalige Besetzung erkennen lässt, jedenfalls in der Frontline. Das waren also Herwig Barthes an der Trompete, Hans Fücker an der Posaune und meine Wenigkeit, Klarinette. Die Rhythmusgruppe wird auf dem Foto zwar verdeckt, ich erinnere mich aber noch genau: dabei waren Hans Kirchmayer,
Guitarre und Banjo, Axel Becker (Bass) und Christoph Freier am Schlagzeug. Insgesamt also von den Musikern her eine recht modern anmutende Besetzung für eine Dixie-Band, wenn auch die Orchestrierung konventionell war.

Die Überschrift der Bildzeile lautete - zutreffend, aber nicht gerade originell - "Dixieklänge zum Frühschoppen". Der kurze Text: "Zum Jazzfrühschoppen lud am vergangenen Sonntag wieder der Gladbecker Jazzclub in den Klimperkasten ein. Für den musikalischen Part an diesem Vormittag zeichnete die `O.K. Jazzband` verantwortlich, der es schnell gelang, die triste Herbststimmung zu vertreiben. Aus Ragtime, Dixieland, Blues und Swing mixten die Bandmitglieder ein mitreißendes Programm, das bei den Jazzfans auch bestens ankam". Auch wenn diese Zeilen weitgehend eine Übernahme des vorab dem Veranstalter zur Verfügung gestellten Pressetextes waren: so lief der Frühschoppen nach meiner Erinnerung tatsächlich so ab. Das nennt man dann eine "self-fulfilling prophecy"............

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Heribert von Stomp

Freitag, 1. Februar 2019

Klimperkasten Gladbeck Nostalgisch

Hallo Freunde,

dieser Tage fiel mir ein altes Jahresprogramm des rührigen Jazzclubs Gladbeck in die Hände. Ich habe es aufgehoben, weil dort auch ein Auftritt der OK-JAZZBAND angekündigt wird. Leider kann ich die Jahreszahl nicht mehr erkennen. Es muss sich aber entweder um das Jahr 1998 oder 1999 gehandelt haben. Weshalb? Für den 10. Januar ist ein Konzert des "Jürgen Bleibel Trios plus Sängerin" angekündigt. Gershwin wurde 1898 in New York geboren - und zwar am 26. September. Bezieht man die Ankündigung also auf das Geburtsjahr, kommt 1998 in Betracht, nimmt man das Geburtsdatum, passt auch der Januartermin des Folgejahres.

Welche Bands aber waren für die monatlich im "Klimperkasten", Kirchhellener Str., anberaumten Konzerte angekündigt? Im Januar das schon besagte Trio. Im Februar gastierte "JazzLight". Im März dann das "Christian Bleiming Boogie Trio". Für April und Mai waren das "Spardosenterzett" und die "Boogie Connection" im Programm. Juni, Juli und August: "Milano Jazzband", "Down Town Six" und "Jazz Confect". September: "Climax Band Cologne". Oktober: "OK Jazzband". Bleiben noch November und Dezember: "Gator Hot Six" und "Sascha Klaar und Band".

Ein abwechslungsreiches Programm also. Die Werbung damals lautete übrigens: "Wir möchten stets die kleinste Nummer sein - die Nr. 1!" Über soviel Engagement kann man sich nur freuen. Ich erinnere mich gern an das Konzert im "Klimperkasten" in Gladbeck.

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Heribert von Stomp

Montag, 5. März 2018

Eine echte 68er Band

Hallo Freunde,

über "The Jolly Jazz Orchestra" habe ich hier schon verschiedentlich geschrieben. Vergleicht dazu meine Posts vom 24.11.2013 und vom 30.11.2013.. Das ist - zugegeben - schon ein paar Jahre her.
Dass die Zeit vergeht, merke ich auch daran, dass die Band in diesem Jahr ein nicht alltägliches Jubiläum feiern kann: das 50jährige. Richtig: wer nachrechnet, kommt auf das Jahr 1968. Da war doch was? Ja - da war die westdeutsche Westentaschen-Revolution, angeführt und angetrieben vor allem von Studenten, die gegen alles und jeden wetterten und es sich dann nach und nach in der Republik bequem gemacht haben. Diese Republik ist übrigens heute um vieles kapitalistischer als die damals angeprangerten Zustände. Das scheint aber die ehemaligen Revoluzzer nicht mehr unbedingt zu kümmern. (Sollte ich 68ern Unrecht getan haben, die sich nicht der allgefälligen Konformität zugewandt haben, bitte ich um Entschuldigung).

Was hat das mit dem Oldtime-Jazz zu tun? Das Jahr 1968 ist heute in Erinnerung als eine Zeit, in der Beat und Rock die vorherrschenden populären musikalischen Strömungen waren. Es war auch die Musik der 68er. Die Beat-Welle ("The Beatles", "The Kinks" u.a.) ebbte langsam ab und wurde immer mehr von verschiedenen Spielarten des Rock abgelöst. Aber Dixieland? Doch. Mit dem nahenden Ende des Beat-Pop, kamen auch die Oldtime-Musiker und -Freunde wieder aus ihren Löchern hervor. Der Oldtime-Jazz war ja von den Beat-Gruppen mit ihrem Sound von der Bildfläche hinweggefegt worden. Diese Renaissance war allerdings, wie ich es sehe, nicht politisch aufgeladen im Sinn einer "Gegenrevolution". Es war einfach das Bedürfnis nach rhythmischer, swingender, vor allem fröhlicher Musik, die im Trad-Jazz verkörpert ist.

Und so sah einer der Oldtime-Aktivisten, der bis heute unermüdliche Freddy Schauwecker, seine Stunde gekommen, mit einer neuen Band an den Start zu gehen: eben mit dem "Jolly Jazz Orchestra".
Bis heute ist die Band des Düsseldorfer Posaunisten nicht aus der Szene wegzudenken. Wer das 7-Mann-Orchester hören will, sollte das "Pöötzke" in Düsseldorf oder den "Streckstrump" in Köln besuchen. Dort ist die Band in regelmäßigen Abständen zu Gast - und tritt natürlich auch anderswo auf. Die Terminliste auf der Web-Site von "Jolly Jazz" ist immer auf dem neuesten Stand.

Das Jubiläum wird übrigens erst im Mai gefeiert - im Rahmen der Düsseldorfer Jazz-Rallye am Pfingstsonntag (20.05). Mit dabei sind auch Gäste wie Lous Dassen (voc) und Peter van Heusen (ts). Das verspricht also ein mitreißendes Konzert zu werden. Das 25jährige Jubiläum wurde übrigens in New Orleans gefeiert. Da ist Düsseldorf dann für die meisten von uns doch ein Stück näher........

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Heribert von Stomp

Montag, 8. Januar 2018

Die Dixie-Statistik

Hallo Freunde,

in meinem vergangenen Beitrag hatte ich Euch, wie schon öfters zum Jahreswechsel, eine Rangliste der Highlights in diesem Blog präsentiert: die zehn am häufigsten aufgerufenen Posts.

Mein alter Freund Buddy Yesterday war aber - wie fast schon zu erwarten - wieder einmal nicht zufrieden. Ob es denn nicht etwas mehr an Statistik sein könne? Ihr müsst wissen, dass Buddy ein wahrer Statistik-Freak ist. Nun gut. Ich habe da noch etwas. Wie wäre es mit den Plätzen 11 - 20 in der Rangfolge der meistangeklickten Beiträge? Hier sind sie:

11) OK-JAZZBAND und Karneval vom 01.08.2010
12) OK-JAZZBAND grüßt Pulheimer Weinfest (12.09.10)
13) Jazz-Gang-Cologne im Marienbild (06.03.13)
14) OK-JAZZBAND: Opladener Jazzcompany (03.06.11)
15) Gerhard "Doggy" Hund (21.04.1943-05.09.2015) vom 19.09.2015
16) OK-JAZZBAND und Cologne-Jass-Society (27.10.10)
17) OK-JAZZBAND und Jazz-Freunde Köln (08.08.10)
18) Cologne-Dixieland-Company (CDC) (21.03.15)
19) Brauhaus Beuel (17.02.11)
20) Alexander`s Ragtime Band (21.02.15)

Hier bestätigt sich: Beiträge über Bands und Ereignisse der regionalen Jazzszene werden besonders häufig aufgerufen. Und zweitens: viele schon vor Jahren verfasste Posts werden auch heute noch regelmäßig gelesen und haben deshalb "aus Altersgründen" einen Vorsprung vor den Artikeln aus jüngster Zeit.

Und noch eine Zahl für Dich, lieber Buddy: Bisher wurde der (ich sage ja "der" und nicht "das") Blog der OK-JAZZBAND 28.609 mal angeklickt. Das freut mich und natürlich hoffe ich, dass dieser Zuspruch auch so bleibt.......

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Heribert von Stomp

Mittwoch, 3. Januar 2018

Semmel`s Hot Shots - Number One

Hallo Freunde,

willkommen im Jahr 2018. Die OK-JAZZBAND wünscht Euch alles Gute. Bleibt optimistisch, gut gelaunt und habt weiterhin Freude an der Musik, die uns verbindet.

Zum Jahreswechsel halte ich ja ganz gern Rückschau auf die Beiträge in der Vergangenheit. Ich schaue mir an, welche Posts besonders häufig geklickt wurden und ziehe daraus Rückschlüsse, welche Themen bei den Lesern Anklang finden. Es liegt in der Natur der Sache, dass länger zurückliegende Beiträge aufgrund ihres Vorlaufs ganz oben in der Skala anzutreffen sind. Dies zeigt zugleich, dass viele Posts keine "Eintagsfliegen" sind, sondern oft über Jahre hinweg kontinuierlich Leser finden. Wie die Rangliste ausweist, sind dies in erster Linie Artikel über Band. der regionalen Jazzszene. Hier also die Hitliste der zehn bisher am häufigsten geklickten Posts:

1) Semmel`s Hot Shots Bonn (vom 06. April 2011).
2) Ich brauche keine Millionen (04. Januar 2012).
3) Mülheimer-Jazz-Club (20. April 2011)
4) Em Streckstrump (13. September 2010)
5) Papa Tom`s Jazz GmbH (01. Juni 2013)
6) Heinz-Josef Thissen ist tot (19. August 2014)
7) Dixie Devils (06. Februar 2011)
8) Dreamboat Ramblers (10. September 2011)
9) Brauhaus Päffgen (03. April 2011)
10) Climax-Band-Cologne (23. März 2011)

Beiträge zur Trad.-Jazzszene - rheinisch, westfälisch und darüber hinaus - werden somit auch weiter einen Schwerpunkt dieses Blogs bilden. Aber natürlich werdet Ihr hier auch weiterhin Einlassungen zur Jazzgeschichte, zu Aufnahmen, zu einzelnen Kompositionen usw. finden - so wie Ihr es von dieser Stelle gewohnt seid. Lasst Euch überraschen........

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Heribert von Stomp

Samstag, 30. Dezember 2017

25 Jahre Lutzemanns Jatzkapelle

Hallo Freunde,

ich halte gerade die CD "13 Jahre Lutzemann`s Jatzkapelle" in der Hand. 13 Jahre, das ist nach herkömmlichen Vorstellungen eine eher ungewöhnliche Jubiläumszahl. Aber "Lutzemann`s Jatzkapelle" war immer schon etwas anders, wie ja auch die Schreibweise zeigt.

Die CD enthält 14 Titel (es hätten natürlich auch 13 sein können): "Royal Garden Blues", "Oh Sister, Ain`t That Hot ?", Mein Kleiner Grüner Kaktus", Way Down Yonder In New Orleans", "Shine On, Harvest Moon", "You Are My Sunshine", "Bahamas Swing", "Goin` Home", "Swing That Music", "I Found A New Baby", "My Gal Sal", "I Call The Lord For Help", "I´ve Got Rocks In My Bed" und "Nobody`s Child". Also eine bunte Palette, die auch eine Eigenkomposition enthält. "Bahamas Swing" stammt aus der Feder des Bandleaders Lutz Eikelmann.

Seit dem Erscheinen dieser CD ist schon wieder ein Dutzend Jahre ins Land gegangen. Und nun haben wir es mit dem 25jährigen Bandjubiläum zu tun. Die Gruppe hat also in den für den traditionellen Jazz nicht leichten Zeiten wacker durchgehalten. Gratulation. Ihre Musik ist in all den Jahren ein Eckstein im Mosaik der Trad-Bands gewesen.

Lutz Eikelmann hat eine Reihe von Konzerten unter die Jubiläumsüberschrift gestellt. Am 02. Januar 2018 gastiert die "Jatzkapelle" im Storckshof in Dortmund-Großbarop. Am 13. Januar folgt ein Auftritt im Café Sperrmüll in Düsseldorf Bilk. Im Februar sind zwei weitere Auftritte angesetzt - und zwar im Brauhaus Urfels in Duisburg-Walsum (11.02.) und im Jazzclub Mülheim an der Ruhr (16.02.). Details (Adressen, Uhrzeiten) findet Ihr auf der Homepage von Lutz Eikelmann. Der Button "Termine" wird laufend um weitere Bandaktivitäten ergänzt.

Bleibt mir, Lutz und seinen Musikern alles Gute für die Zukunft zu wünschen - sagen wir, für die nächsten 25 Jahre.............

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Heribert von Stomp

Montag, 20. November 2017

FAZ-Clarinet

Hallo Freunde,

mehr zufällig fiel mir dieser Tage eine alte Notenausgabe in die Hand. Sie enthält Beispiele für die Stile von 13 Klarinettisten, die sich überwiegend der Swing-Ära zuordnen lassen bzw. auch in der Swing-Zeit eine Rolle spielten:
Barney Bigard, Hank d` Amico, Buddy de Franco, Irving Fazola, Benny Goodman, Edmond Hall, Woody Herman, Joe Marsala, Matty Matlock, Eddie Miller, Jimmie Noone, Pee Wee Russell und Artie Shaw.

Mancher Name ist heute nicht mehr jedem Jazzfreund unbedingt geläufig. Wenn man sich aber mit diesen Musikern näher beschäftigt, wird deutlich, dass es in der Swing-Ära neben Goodman und Shaw eine ganze Reihe ebenfalls beachtlicher Klarinettisten gab, deren Musik auch heute noch hörenswert ist. In etlichen Fällen waren sie Grenzgänger zwischen Swing und seinen Vorläufern.(Natürlich ließen sich zu den genannten Namen noch weitere hinzufügen).

Einer dieser Klarinettisten war Irving Fazola, genannt Faz, geboren als Irving Henry Prestopnik am 10. Dezember 1912 in New Orleans. Der Name "Fazola" soll von der italienischen Tonleiter "Fa-So-La" usw. herrühren. Auf "YouTube" oder auf den diversen Musikplattformen kann man sich leicht ein Bild von Stil und Technik Fazolas machen. Nur zu empfehlen.

Ich will jetzt nicht alle Stationen im künstlerischen Schaffen von Irving Fazola aufzählen. Nur soviel:
sein fließender, eleganter Stil ist gut zu hören und vermittelt eine Fülle von Anregungen auch für heutige Musiker. Natürlich ist dem Spiel Fazolas anzumerken, dass er durch die Schule der Big-Bands in der Swing-Ära gegangen ist. Fazola spielte auch bei Glenn Miller und Bob Crosby. Manchem mag der Stil deshalb zu wenig geerdet - oder andersherum: zu glatt - sein. Ich fühle mich  durch die virtuose Geläufigkeit, die nach meinem Eindruck aber kein Selbstzweck ist, vollauf entschädigt. 1940 und 1941 überflügelte Fazola in den Down Beat Polls sogar Goodman und Shaw.
Als exzellenter Techniker mit swinggeglättetem New-Orleans-Feeling waren natürlich die kleinen Formationen, die Bands in der Band der Swing-Ära,für ihn genau der passende Rahmen, also etwa die "Bob Cats" des Bob-Crosby-Orchesters.

Leider blieb sein stilistischer Einfluss begrenzt. Fazola starb schon 1949. Viel von seinem Stil findet sich aber nach meiner Einschätzung bei Pete Fountain wieder, der leider ja ebenfalls vor einiger Zeit gestorben ist. In meiner Notenausgabe ist Fazola übrigens mit dem "Clarinet Blues" vertreten, einer Nummer, die seine stilistischen Eigentümlichkeiten prägnant zum Ausdruck bringt........

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Heribert von Stomp




Montag, 6. November 2017

OK-JAZZBAND: Cannon Ball Blues

Hallo Freunde,

dieser Tage habe ich mir mal wieder den "Cannon Ball Blues" zu Gemüte geführt, die berühmte Aufnahme von Jelly Roll Morton`s  Red Hot Peppers vom 16. Dezember 1926. Für mich gehört diese Einspielung zu den stimmigsten Aufnahmen Jelly`s. Dabei meine ich das Wort "stimmig" in einem doppelten Sinn: das Werk ist in sich von hoher Geschlossenheit und es spricht mich mit sehr viel Gefühl an. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil für Morton - so sehe ich es jedenfalls - der Blues doch eher eine formale Kategorie war.

Auch in anderer Hinsicht fällt der "Cannon Ball Blues" aus dem Rahmen der elf klassischen Einspielungen von September bis Dezember 1926. Es ist das einzige Stück - soweit ich sehe -, von dem keine Orchestration herausgegeben wurde. Das ist deshalb bemerkenswert, weil es ja das Geschäftsmodell der Melrose-Brothers war - der Verleger, die die Red-Hot-Peppers-Sessions initiiert hatten -, über die Plattenaufnahmen den Absatz von Piano-Versionen, vor allem aber gedruckter Arrangements zu forcieren. Vom Cannon Ball Blues existiert aber nur eine gedruckte Piano-Version.
Vielleicht schaffte es die Nummer ja ins Aufnahmestudio, weil einer der Autoren Marty Bloom, der stille Teilhaber der Melrose-Brothers, war, der übrigens auch für die diversen Vaudeville-Effekte der anderen Red-Hot-Peppers-Aufnahmen zuständig und wohl der Producer bei den Sessions war. Damit sind wir bei einer weiteren Besonderheit: der "Cannon Ball Blues" ist der einzige Red-Hot-Peppers-Titel von 1926, der neben Morton einen Co-Komponisten nennt. (Fünf Titel stammten ja bekanntlich nicht aus Jelly`s Feder). Auf der Piano-Sheet-Version sind drei Autoren genannt: Charlie Rider, Marty Bloom und Morton. Rider wird im Archiv der Plattengesellschaft Victor als "Songwriter" geführt. Demnach teilen sich Bloom und Morton die Urheberschaft als Komponisten.

Ein Text des "Cannon Ball Blues" ist mir allerdings nicht bekannt. Die Piano-Version enthält keine Verse. Auch die Aufnahme ist ja bekanntlich rein instrumental. Vielleicht erklärt sich aber aus dem - nicht verfügbaren - Text der Titel des Stücks. Denn die Überschrift "Kanonenkugel-Blues" will nicht so recht zu dem stimmungsvollen Stück passen. Es sei denn, man interpretiert die im ersten Chorus (Eb-Dur) gespielten Kornett-Phrasen als abgefeuerte Kugeln oder die auf- und absteigenden zweitaktigen Phrasen im zweiten (Ab-Dur) Bluesteil. Dies schiene mir aber etwas weit hergeholt.Soweit einige formale Informationen. Hinzugefügt sei noch, dass der "Cannon Ball Blues" laut Victor-Archiv im Mai 1927 gemeinsam mit einer weiteren großartigen Aufnahme Morton`s, nämlich "Grandpa`s Spells", veröffentlicht wurde.

Dies soll für heute genügen. Eine Analyse der Aufnahme will ich in nächster Zeit an dieser Stelle vorlegen. Bis dahin eine gute Zeit........

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Samstag, 21. Oktober 2017

Papa Joe - Jazz im Herbst

Hallo Freunde,

wir haben Herbstferien in Nordrhein-Westfalen. Viele verreisen, viele bleiben aber auch zuhause. Man weiß ja nie so genau, was einen erwartet, wenn man auf Reisen geht.

Für Jazzfreunde, die die ein paar freie Tage haben und nicht auf Achse gehen wollen, ist es eine gute Gelegenheit für einen Abstecher in Papa Joe`s Jazzlokal in der Kölner Altstadt. Ich habe mir einmal das Programm für die kommenden Tage angesehen. Da gibt es jetzt nicht gerade neue Gruppen, aber bewährte Bands, bei denen man in diesem Fall dann doch weiß, was man zu erwarten hat.

Am morgigen Sonntag, 22. Oktober, spielt die "Happy Music Company". Am Montag folgt dann "Swing House" und einen Tag später "Heike Röllig & Friends". Der Mittwoch ist wieder den "Jazz Preachers" vorbehalten. Auch am 26.10., Donnerstag, eine bewährte Band: "Papa Joe`s Jazzmen".
Am Freitag folgen dann die "Red Beans", am 28. Oktober "Listen Here" und am 29. schließlich die "Dixie Devils". (Alle Angaben ohne Gewähr seitens des Verfassers).

Da ist also für ganz unterschiedliche Geschmäcker etwas dabei. Wenn Ihr also nicht sicher seid, wie ein herbstlicher Oktobertag  gut zu verbringen ist, nur zu........

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Mittwoch, 11. Oktober 2017

OK-Jazzband: 21. Dellbrücker Jazzmeile

Hallo Freunde,

morgen startet die 21. sogenannte Jazzmeile in Köln-Dellbrück. Der Begriff bringt zum Ausdruck, dass der gesamte Stadtteil Schauplatz unterschiedlichster Aktivitäten in Sachen Jazz ist. 23 Spielorte listet das Programmheft auf, das immerhin 36 Seiten umfasst. 30 Veranstaltungen sind dort angekündigt. Das ist eine beachtliche Zahl, und für die Liebhaber ganz unterschiedlicher Stilrichtungen ist etwas dabei.

Das Opening übernimmt am Donnerstag die Band "Woodhouse" aus Mülheim an der Ruhr. An den folgenden drei Tagen bis Sonntag gibt es ein Feuerwerk von Auftritten diverser Gruppen. Dass die Organisatoren nicht nur einfach Bands nach Köln holen, sondern sich auch um Zeitbezüge bemühen, macht dieses Beispiel deutlich: in der Nacht zum Sonntag spielt die "Atlanta Jazzband" in der Evangelischen Christuskirche das Programm "Atlanta Jazzband Meets Luhter" (Beginn: 23.00 Uhr). Mit Luther-Liedern in eigenen Arrangements wird eine Verbindung zum Luther-Jahr bzw. zum Beginn der Reformation vor 500 Jahren hergestellt. Von solchen Initiativen sollte es mehr geben.

Wieder mit dabei sind am Sonntag die "Cologne Dixieland Steamers", Kölns älteste Dixie-Gruppe, in aktueller Besetzung. Zu hören sind bei der Jazzmeile auch "Ali Claudi & The Groove", das "Subway Jazz Orchestra", "Echoes of Nawlins" und viele andere.

Gut finde ich es auch, wenn Brücken zwischen den Gattungen geschlagen werden: so tritt am Freitag zu einer Lesung des Autors Florian Beckerhoff ("Herrn Haiduks Laden der Wünsche") das Duo Bianca Kerres (voc) und Hans Fücker (piano) auf.

Die Organisatoren des Veranstalters "delljazz" haben sich wieder alle Mühe gegeben, dem Jazz in vielerlei Facetten ein Forum zu geben. Und eine ganze Reihe von Sponsoren erkennt dieses Engagement durch finanzielle Unterstützung oder Bereitstellung von Räumlichkeiten an. Das gibt es in dieser Form nicht alle Tage, und deshalb kann man das Projekt nur ohne wenn und aber unterstützen.

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Heribert von Stomp

Montag, 7. August 2017

Red Onion Jazzband zum Zweiten

Hallo Freunde,

über die Red Onion Jazzband aus Köln habe ich am 20. Januar 2016 geschrieben. Wollte jetzt mal wissen, wie der Stand der Dinge bei den Oldtime-Kollegen ist. Die Band ist weiter aktiv, auch wenn die Zahl der öffentlichen Auftritte eher gering ist. Diese schwierige Situation, die ja die meisten Bands mehr oder minder trifft, hatte damals auch Red-Onion-Bandleader Volkmar Trüb in einer Zuschrift auf meinen Beitrag beklagt - nachzulesen unter obigem Datum.

Immerhin gab es dieses Jahr schon einen Ausflug nach Hamburg in den legendären Cotton-Club. Für Oktober stehen laut Terminvorschau der Band zwei weitere Auftritte an: am 01. Oktober in der Playa in Cologne (Junkersdorfer Str.) und am 22.10. in der Historischen Wassermühle in Birgel.

In der Besetzung hat es offenbar zwischenzeitlich eine Veränderung gegeben: statt Helm Renz spielt jetzt der Klarinettist und Altsaxophonist Wolfgang Gundlach mit, der ebenfalls über große Erfahrung verfügt. Die aktuelle Besetzung ist für den Besucher der Web-Site nicht auf Anhieb eindeutig, weil auf dem -  sehr gelungenen - Bandfoto mit den roten Zwiebeln nach wie vor Helm Renz zu sehen ist.
Vielleicht gab es ja noch keine Gelegenheit zu einer neuen Aufnahme oder aber der Web-Master hatte noch keine Zeit, eine solche einzustellen. Falls ich das jetzt nicht ganz richtig dargestellt habe, bitte ich die Band um Nachsicht.

Unter dem Strich bleibt jedenfalls mein schon im vergangenen Jahr gezogenes Fazit: diese Gruppe, die den guten alten Jazz am Leben erhält, hat mehr Auftritte und damit mehr Gehör verdient. Ich bin sicher: das wird schon werden.......

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Donnerstag, 27. Juli 2017

Jelly and the Duke, Artie and Woody

Hallo Freunde,

Musiker sind sich nicht immer in Freundschaft verbunden. Das ist menschlich und geht so durch die Epochen und durch die Stile. Dieses (Miss-)Verhältnis drückt sich oft nicht nur im persönlichen Umgang miteinander sondern auch in abschätzigen Urteilen aus. Solche Wertungen finden mitunter große Verbreitung, etwa wenn ein berühmter Musiker sich in seinen Erinnerungen entsprechend äußert. Ein Beispiel hatte ich in meinem Beitrag vom 18. April 2015 dargestellt: Louis Armstrong bezeichnete in seinen Erinnerungen an New Orleans den Trompeter Buddy Bolden als "grob und ungeschlacht". Ob das wirklich zutrifft, können wir nicht beurteilen. Von Bolden sind keine Plattenaufnahmen überliefert. Vielleicht handelt es sich um eine ganz subjektive Sichtweise. Aus dem Mund der Jazz-Legende Louis Armstrong aber wirkt das Verdikt doch wie ein musikalisches Todesurteil, gegen das sich der damals schon lange verstorbene Buddy Bolden nicht mehr zur Wehr setzen konnte.
Jelly Roll Morton ist in seinen Erinnerungen zurückhaltender. Morton bezeichnet Buddy schlicht als "den gewaltigsten aller Trompeter und den absoluten Liebling aller Stammkunden des Gartenquartiers" in New Orleans. "Einen gewaltigeren Trompeter hat es seit dem Erzengel Gabriel nicht gegeben. Es kam vor, dass wir an irgendeiner Ecke herumlümmelten und nicht wußten, daß draußen im Lincoln Park Tanz war. Dann hörten wir Buddys Kornett und zogen los. War einmal wenig Publikum im Lincoln Park, so richtete Buddy sein Horn gegen das Stadtzentrum und blies seinen Blues, um, wie er zu sagen pflegte, ´seine Kinder heimzurufen´. Dann wußte die ganze Stadt, daß Buddy im Park spielte, zehn oder zwölf Meilen vom Zentrum entfernt". (Zit. n. Jelly Roll Morton/Alan Lomax, Doctor Jazz, Sammlung Luchterhand 1992, S. 65f.). Dies sagt nichts über die künstlerische Qualität von Buddy`s Trompetenspiel aus, aber spiegelt dessen Stellung in der frühen Jazzszene von New Orleans wider. Einmal die Sicht des Trumpet-Kings Louis, einmal die Sicht des Publikums, wiedergegeben in der Erinnerung des Pianisten Jelly Roll Morton: es kommt eben immer auf die Perspektive an.
Bleiben wir bei Jelly. Ihn verband eine Feindschaft mit dem Pianisten, Komponisten und Bandleader Duke Ellington. Der Duke erntete seinen ersten frühen Ruhm mit dem Jungle-Style seines Orchesters. Jelly hatte 1927 selbst einen Titel in dieser Richtung eingespielt, seine Komposition "Jungle Blues". Morton warf Ellington vor, den Jungle-Style bei ihm gestohlen zu haben. Ellington revanchierte sich mit abfälligen Bemerkungen, etwa dieser Art: "Jelly Roll Morton played piano like one of those high School teachers in Washington". (Zit. n. Howard Reich/William Gaines, Jelly`s Blues, Cambridge (USA) 2003, S. 231). Als Jelly am 16. Juli 1941 in Los Angeles beigesetzt wurde, fehlte Ellington unter den Trauergästen. Dies wurde von Zeitgenossen aufmerksam registriert und als bewusstes Zeichen gewertet, weil der Duke ganz in der Nähe, im Mayan Theatre in Los Angeles, mit seiner Band gastierte. Das war dann wohl mehr als eine lebenslange Feindschaft.
Und noch ein drittes Beispiel für ein abschätziges Urteil von Musikerkollege zu Musikerkollege. Diesmal geht es um Klarinettisten. Artie Shaw nahm kein Blatt vor den Mund in der Bewertung von Woody Herman. "Woody had a good band...I don`t know how he did it; he played badly". Lediglich seinen Kollegen Benny Goodman erkannte Shaw als ebenbürtig an. Aber: ""Woody is not our league". (Zit. n. Tom Nolan, Three Chords for Beauty`s Sake. The Life of Artie Shaw, New York, London 2010, S. 190 u. S. 298).
Soll man die Musiker dafür kritisieren, dass sie so unverblümt, ja schonungslos über Kollegen urteilen? Was bleibt, ist ja nicht die gegenseitige Geringschätzung, sondern die Musik (außer im Fall von Buddy Bolden). Armstrong, Morton, Ellington, Shaw, Herman: sie sind aus der Jazzgeschichte nicht wegzudenken. Die Eifersüchteleien und Streitereien werden mit zunehmendem Abstand dagegen immer mehr zu Marginalien, zu - um im Bild zu bleiben - Randnoten..........

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Montag, 8. Mai 2017

Diether Thoma und der Dixie-Jazz

Hallo Freunde,

am Wochenende las ich in der Zeitung, dass Diether Thoma, ein früherer Hörfunk-Chefredakteur des WDR, gestorben ist. Ich denke, viele erinnern sich noch an ihn. Als Moderator des "Mittagsmagazins" war er sehr präsent. Sein trockener, oft hintergründiger Humor, seine stets unaufgeregten und unvoreingenommen geführten Interviews zeichneten ihn aus. Eigenschaften, die  man heute mitunter schmerzlich vermisst.

Diether Thoma war aber auch im Fernsehen zugegen. In den 70er Jahren präsentierte er gemeinsam mit Alfred Biolek den "Kölner Treff", damals eine Kultsendung am Sonntagabend. Hier ergänzten sich der bedächtig wirkende Diether Thoma und der unkonventionellere, spritzigere Alfred Biolek in hervorragender Weise. In dieser Zeit war auch musikalische Umrahmung durch eine Band, so wie bei anderen Talkshows auch, fester Bestandteil der Sendung. Dazu gehörten auch diverse Gruppen des traditionellen Jazz. Ich durfte einmal in einer solchen Sendung mitwirken. Das war damals noch nicht die OK-JAZZBAND, sondern die Delta-Jazzband. Grund für die Einladung war, dass ein Bandmitglied, der Bassist Peter Dung, auch Talkgast war. Er repräsentierte den Typ des aufgeschlossenen, liberalen Richters - das war sein Brotberuf -, der sich vom damals noch häufig anzutreffenden verknöcherten Amtsjuristen (der Spruch der Studentenbewegung "unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren" war nicht nur auf Professoren gemünzt) unterschied. Das kam auch äußerlich in Peters Haartracht der 60er und 70er Jahre zum Ausdruck - damals hinter Gerichtsmauern noch eine absolute Seltenheit und auch Stein des Anstoßes.

Die Delta-Jazzband bestand zu dieser Zeit aus Helmut Richrath (tp), Frank Hübner (tb), Peter Karbaum (bj), Knut Fischer (dr), meiner Wenigkeit an der Klarinette und eben Peter Dung. Ich erinnere mich, dass es damals - im Jahr 1976, wenn ich mich nicht täusche -, zunächst unsere Aufgabe war, das Publikum in Stimmung zu bringen. Während der Sendung spielten wir dann drei Titel. "Somebody Stole My Gal", "When You`re Smiling" (von Peter Dung gesungen) und ein exotisches Stück von Artie Shaw, "Whe The Quail Come Back zu St. Quentin".

Zwei Dinge sind mir im Zusammenhang mit dieser Talkshow außerdem in Erinnerung geblieben. Die Moderatoren und ihre Gäste hatten viel Zeit für die Gespräche. Vier Gesprächsduette - Thoma und Biolek führten die Talks jeweils getrennt und immer nur mit einem Gast - in anderthalb Stunden.
Die Gäste waren außer Peter Willy Millowitsch, der Soziologe Professor Alfons Silbermann von der Kölner Universität und ein Body-Building-As aus Köln, dessen Name mir entfallen ist. Heute mag es überraschen, damals aber war es mehr oder weniger selbstverständlich, dass alle Talkgäste einschließlich der Band aus Köln kamen. Schließlich sah sich der WDR als Nabel der Welt. Einseitigkeit auch in anderer Hinsicht: die Moderatoren: Männer, die Talkgäste: Männer und die Band: ebenfalls Männer. Es war eben so manches etwas anders als heute. Wenn es in der Gegenwart Talkshows mit Musik gibt, gehört in aller Regel der Trad-Jazz nicht dazu. Das ist aber kein Grund, den alten Zeiten nachzutrauern. Wenn unsere Musik lebendig ist und bleibt, dann wird sie auch ihren Weg in die Sendungen von Radio und Fernsehen finden. Dazu gehört eben, dass der Jazz sich wandelt, mit der Zeit geht, so wie auch die Talkshows von heute nicht mehr mit denen der 70er Jahre zu vergleichen sind.......

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Freitag, 21. April 2017

Super-Jazzclub Gladbeck

Hallo Freunde,

der Jazzclub Gladbeck ist einer der wenigen verbliebenen Clubs im Land und zeichnet sich durch große Aktivität aus. Das verdient Anerkennung und Unterstützung. Garant für die Lebendigkeit ist sicher auch der Vorsitzende Wolfgang Röken, dem es immer wieder gelingt, gute und sehr gute Gruppen ins nördliche Ruhrgebiet zu holen und dafür auch die nötigen Sponsoren zu gewinnen. Denn ein Markenzeichen des Clubs ist es auch, die Veranstaltungen zu erschwinglichen Eintrittspreisen anzubieten.

Die Programmgestaltung geht mit der Zeit. Zunehmend treten Events mit Blues, Gospel, Cajun usw. in den Vordergrund. Die Wurzeln des guten alten Dixieland- und New Orleans Jazz werden gleichwohl gepflegt. Insgesamt ein gelungener Spagat. Und so wundert es nicht, dass der rührige Vorsitzende auf der Web-Site des Clubs von einem "Spitzenprogramm der Extraklasse" spricht und jubiliert: "Ein solches Programm gab es noch nie". Das kann man getrost unterschreiben, denn jedes Jahresprogramm ist ja anders.

Aber die alten Zeiten waren auch nicht schlecht. Mir fiel ein vergilbtes Programm aus dem Jahr 1999 in die Hand. Dort heißt es über das abgelaufene Programmjahr: "Jazz in Swinging Gladbeck: 1998 stellte alles in den Schatten". Und weiter: "1998 war ein Super-Jazz-Jahr. Es stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Mehr als 10.000 Menschen kamen zu den Veranstaltungen des Jazzclubs. Damit hat sich Gladbeck zu einer Hochburg des traditionellen Jazz im Ruhrgebiet entwickelt". Worte des damaligen Vorsitzenden: Wolfgang Röken.

Man sieht: aus der Distanz relativiert sich alles. Denn fast 20 Jahre später scheint ja auch das Programm von damals und der Nachfolgejahre getoppt zu sein. Übrigens traten damals u.a. Kenny Ball und Bob Kerr in Gladbeck auf. Wenn  heute also wirklich alles noch einmal viel besser ist: Hut ab!

Jetzt aber Ironie beiseite: Klappern gehört zum Handwerk. Schließlich müssen die Besucher gelockt und mit dem Erfolg der Konzerte auch die Sponsoren überzeugt werden. Denn im nächsten Jahr soll es dann ja wohl ein noch tolleres Programm geben, wofür wir heute schon viel Erfolg wünschen......

www.ok-jazzband.de

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Samstag, 1. April 2017

Scott Joplin: 100. Todestag

Hallo Freunde,

am 01. April 1917 ist Scott Joplin, der große Ragtime-Pionier gestorben. .Ich denke, Ihr kennt seine berühmte Komposition "The Entertainer" und auch den "Maple Leaf Rag", der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Joplin`s erfolgreichstes Werk war und als Sheet-Music millionenfach verkauft wurde. Als fast zeitgleich mit Joplin`s Tod die Ragtime-Ära endete und der Jazz seinen Siegeszug antrat - 1917 wurden bekanntlich auch die ersten Jazztitel von der "Original Dixieland Jazzband" eingepielt -, wurden auch die Kompositionen von Joplin und anderen Ragtime-Komponisten nicht mehr so häufig gespielt. Und trotzdem waren die spezifischen Merkmale des Ragtime in den Kompositionen und Aufnahmen der Jazzpioniere vielfach spürbar: die Synkopation und der typische Aufbau der Ragtimestücke zum Beispiel. Auf der anderen Seite taucht der Name "Rag"  immer wieder mal in Werktiteln auf, ohne dass es sich wirklich um Ragtimekompositionen im ursprünglichen Sinn handeln muss. Jelly Roll Morton`s "Perfect Rag" etwa würde ich nicht als klassischen Ragtime bezeichnen und auch nicht den von Joe Oliver aufgenommenen "Snake Rag".
Eine detaillierte Analyse spare ich mir für eine spätere Gelegenheit auf. Die Titelgebung zeigt aber, dass sich die Pioniere der 20er Jahre durchaus dieser Wurzel bewusst waren und dass ihnen klar war, dass es weiterhin ein Publikum gab, das für aus diesen Ursprüngen gespeiste Musik empfänglich war.

Wenn man nach klassischen Ragtimekompositionen unter den Aufnahmen der 20er Jahre sucht, wird man etwa bei den "New Orleans Rhythm Kings" mit ihrer, wie ich meine, sehr schönen Einspielung des "Maple Leaf Rag" fündig. Ein interessanter früher Fall ist der "Original Dixieland One Step" (26.02.1917) der "Original Dixieland Jazz Band". Er enthält als Trio den "That Teasin´ Rag" von Joe Jordan. Hier handelt es sich um einen klassischen Fall von Plagiat. Denn Nick La Rocca und seine Mitstreiter von der ODJB machten diese Übernahme nicht kenntlich und gaben den One-Step als komplett von der ODJB geschaffenes Werk aus. Das führte dann zu einer heftigen gerichtlichen Auseinandersetzung. Am Ende standen ein finanzieller Vergleich und die Auflage, die Verwendung von Jordan`s Komposition bei späteren Pressungen deutlich zu machen.

Wenn die frühen Jazzmusiker Ragtime spielen, halten sie sich zumeist an eine Regel, die Joplin stets für seine Kompositionen vorgab, nicht: das Stück nicht schnell zu spielen. Meistens verwendeten sie zügige Tempi. Ich glaube, dass ein ganz entscheidender Grund für die eher geringe Popularität des Ragtime bei den traditionellen Jazzbands darin zu sehen ist, dass es sich um einen Klavierstil handelt. Ragtimekompositionen haben oft keine geradlinige, für das Lead-Instrument Trompete gut zu spielende Melodieführung. Das macht wiederum das Kollektivspiel schwieriger. Trotzdem gab es auch im Dixieland-Revival der 50er Jahre Versuche, neue Ragtimekompositionen zu etablieren. Ein Beispiel dafür ist Chris Barber mit dem "Merrydown Rag" und dem "St. George`s Rag". Barber berücksichtigte dabei allerdings die Anforderungen einer kollektiv spielenden Jazzband.

Scott Joplin und andere Komponisten waren mit ihren Werken unverzichtbare Vorbereiter des traditionellen Jazz, der sich aber auch aus anderen Quellen speiste. Es ist auch heute noch  eine Freude, die Werke der Ragtimepioniere zu hören, ganz gleich, ob als Piano-Soli oder Bandaufführungen....

Soviel für heute.
Herzlich euer
Heribert von Stomp

Mittwoch, 22. März 2017

Cologne-Dixieland-Company (CDC) digital

Hallo Freunde,

am 21. März 2015 hatte ich Euch die "Cologne-Dixieland-Company" vorgestellt und ans Herz gelegt.
Soviel erfrischende Spielfreude hat man nicht alle Tage. Und dazu kommt noch die musikalische Qualität des Sextetts, das in der Vergangenheit renommierte Preise erhalten hat. Die Band wurde übrigens 1978 gegründet, kann also im kommenden Jahr 40-jähriges Bestehen feiern.

In meinem Beitrag hatte ich nur einen Kritikpunkt: der Internetauftritt wurde meiner Meinung nach  dem Können und dem Renommee der Gruppe nicht gerecht. Details könnt Ihr in meinen damaligen Zeilen nachlesen. Jetzt aber erhalte ich, fast auf den Tag genau nach zwei Jahren, Nachricht, dass dieses Defizit behoben sei. Ich habe die Web-Site aufgerufen - und tatsächlich: da erhält man jetzt die relevanten Informationen in sehr kompakter, auch optisch ansprechender Form. Respekt! Da sind u.a. Informationen zur Bandgeschichte zu finden, die Besetzung, Bandfotos und Hinweise auf die beachtliche Zahl von sieben CD-Einspielungen. Zur Besetzung: sie hat sich in den vergangenen zwei Jahren auf einigen Positionen verändert. Die Gruppe besteht jetzt aus: Werner Velte (tp), Naldo Suhr (cl), Manfred Zander (tb), Bernd Türner (b), Hans Kirchmayer (bj) und Achim Bräuer (dr). Die CDC mischt also weiter munter weiter in der traditionellen Jazzszene mit.

Abschließend kann ich Euch also nur den neuen Web-Auftritt der CDC empfehlen - und natürlich vor allem die Band selbst. Und ganz ehrlich - so ein Frühjahrsputz könnte der Web-Site der OK-JAZZBAND ebenfalls ganz gut tun.......

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Montag, 13. März 2017

Kansas City Stomp(s)

Hallo Freunde,

Dieser Tage habe ich mich mal wieder mit dem "Kansas City Stomp" (Puristen sagen auch: den "Kansas City Stomps", weil es so etwa auf der Klavier-Ausgabe steht) von Jelly Roll Morton beschäftigt. Dieses Stück, das ja bekanntlich in Jelly`s Zeit in Tia Juana, Mexiko, entstanden ist, besticht durch die fortlaufende Verwendung von Halbtonschritten. in einem grossen Teil der Komposition. Das erste Thema beginnt im ersten Takt unmittelbar mit vier Halbtonschritten von A über Bb über B nach C. Im zweiten Takt geht es dann weiter mit Db und D. Das alles auf der Dominante (Bb7) des in Eb-Dur stehenden Themas. Danach folgt eine Reihe weiterer Halbtonschritte, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Auch das zweite Thema bedient sich der Halbtonschritte - und zwar sowohl im Diskant als auch im Bass. Im Trio schließlich ist die Melodie ebenfalls eng geführt, löst sich hier aber von den Halbtonschritten.

Das Intro des "Kansas City Stomp", das sich (in der Klavierausgabe) in Oktavsprüngen über drei Oktaven erstreckt, steht zu den gesamten folgenden Teilen in einem wirkungsvollen Kontrast. Leider wurde diese Spannung im Orchesterarrangement von Elmer Schoebel (1925) herausgenommen. Er versah, sicher in guter Absicht, das Stück mit einem kompakten Intro, das die Intention Mortons in den folgenden Themen vorwegnimmt und das Stück dadurch glättet. Morton hat aber in seiner eigenen Orchesteraufnahme 1928 sein Grundkonzept mit den Oktavsprüngen (Klarinette, Trompete, Posaune, Tuba) beibehalten.

Der "Kansas City Stomp" steht zwar in der Hitliste des Trad.-Kanons nicht ganz oben, ist aber bei vielen Oldtime-Bands ein beliebter Standard. Das eingängige erste Thema ist eine fröhliche, luftig-leichte Eröffnung, die sich gut für die Kollektiv-Improvisation eignet. Das zweite Thema ist da schon ein wenig schwieriger zu handhaben. Das liegt an den etwas sperrigen, riffartig gesetzten Blockakkorden im Diskant, die im Kontrast zum lebhaften Bass mit seinen, für Morton typischen, eingestreuten Achtelnoten-Folgen liegen, die jeweils zur nächsten Harmonie führen. Dieser charakteristische, das zweite Thema mitprägende Basslauf kann m.E. nur mit der Tuba (alternativ auch von der Posaune) adäquat wiedergegeben werden (und natürlich vom Piano). Morton hat sich in seiner Aufnahme von 1928 für die Tuba-Lösung entschieden und den Diskant der Klarinette als Solo gegeben. Dies ist aber m.E. nicht ganz befriedigend. Die Klarinette (Omer Simeon) kann sich in den oben beschrieben engen Grenzen (zu den Halbton- kommen noch Ganztonschritte) kaum entfalten,
die harmonische Wirkung der Blockakkorde kommt ebenfalls unzureichend zur Geltung. Die Wiederholung dieses Themas übernimmt dann Morton am Piano selbst, bleibt hier aber ebenfalls, wie ich meine, unentschlossen. Unter dem Strich jedenfalls bleibt der in der Komposition wirkungsvolle Kontrast zwischen erstem und zweitem Thema auf der Strecke. Mein Eindruck ist, dass auch andere Bands mit dem zweiten Thema so ihre Probleme hatten. Das Trio schließlich lädt, anders als bei vielen anderen Stomps, nicht zur Kollektiv-Improvisation ein. Die 16 Takte sind in zwei 8-taktige Phasen aufgeteilt, die sich ihrerseits im ersten Durchgang in einen viertaktigen, weitgehend legato zu spielenden Blockakkordsatz und ein melodiöses, rhythmisch unterlegtes Riff unterteilen, während im zweiten Durchgang die auf die Blockakkorde folgende Melodieführung schließlich zur Kollektivimprovisation animiert. Im Grunde wird im Trio der Charakter des ersten mit dem Charakter des zweiten Themas, so nehme ich es wahr, zu einer Symbiose geführt.

Morton hat in seiner Red-Hot-Peppers-Aufnahme den Kontrast zwischen Blockakkorden und rhythmischem Riffteil voll ausgespielt. Die Blockakkorde werden als kleiner Big-Band-Satz weitegehend (Ausnahme: Schlagzeug) ohne rhythmische Unterlegung vom Kollektiv gespielt. Danach folgen jeweils Trompeten-Soli von Ward Pinkett - und zwar einschließlich der Takte 13-16. Die Kollektivimprovisation hebt Morton sich für die anschließende Wiederholung des ersten Themas auf. Diese orchestrale Auflösung des Trios ist zwar reizvoll, die Improvisationen von Pinkett lassen allerdings das melodische Riff nur noch erahnen. Daher bietet sich als Alternative an, das Riff als zweistimmigen Satz zu spielen, so wie es die OK-JAZZBAND in ihrer Interpretation getan hat.

Ihr seht also: der Kansas-City-Stomp setzt sich aus drei eigenständig gestalteten Themen (plus Vorspiel) zusammen, die aber sowohl durch die Kontraste als auch die Verbindungen untereinander ein Ganzes ergeben. Man kann also - siehe oben, sowohl von "den Kansas-City-Stomps" als auch - wie ich es bevorzuge - von "dem Kansas City Stomp" sprechen. Die Vielfalt in der Einheit macht den Reiz dieser Komposition aus. Ich denke, bei genauerer Betrachtung lassen sich noch mehr interessante Aspekte entdecken. Viel Spaß dabei......

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp