Hallo Freunde,
ich hatte Euch kürzlich berichtet, dass eine neue CD der uns befreundeten OK-DREAMBAND in Arbeit ist.
Jetzt habe ich die Nachricht erhalten, dass sie pünktlich zum 1. August, also übermorgen, auf den Markt kommt.
Die CD heißt "Clarinet Bubbles" und hat außer dem titelgebenden Stück noch fünf weitere Tracks. "Clarinet Bubbles" hat eine gute Portion Beat, der Titel "In Single File" (zu deutsch: im Gändemarsch) spielt witzig mit dem Polka-Idiom. Die vier anderen Stücke sind so, wie man es von der OK-DREAMBAND gewohnt ist: sanfte, eingängige Melodien zum Träumen in bester Easy-Listening-Tradition - wirklich smooth. Die Stücke heißen "My Little Albatross", "Early Sunray", "When Shadows Fall" und "Laura`s Dream". Als Instrument dominiert die Klarinette, aber auch die Gitarre spielt in jedem Stück einen starken Part. Am besten, Ihr hört selbst mal rein.
Die CD ist übrigens auf einem ganz jungen Kölner Plattenlabel erschienen: luwo - records. Bin gespannt, was nach diesem gelungenen Einstieg noch von diesem start-up zu erwarten ist. Ihr könnt die CD übrigens direkt bei der OK-DREAMBAND bestellen. Sie kostet 7.50 Euro zzgl. Versandkosten. Die Bestellung könnt Ihr unter der e-mail ok-dreamband@gmx.de aufgeben.
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Samstag, 30. Juli 2016
Donnerstag, 30. Juni 2016
Jazzszene Bonn: von Rod Mason bis Oldie GmbH
Hallo Freunde,
heute, am letzten Tag des Monats, flatterte wieder pünktlich via E-Mail der "Jazz-Kalender für Bonn & Umgebung" ins Haus. Diesmal also für den Monat Juli. Es macht ja immer wieder Spaß, zu sehen, wie lebendig die Bonner Jazzszene ist. Immerhin 21 Veranstaltungen listet der Kalender für den Sommermonat auf. Das beginnt schon am morgigen Freitag mit "Rod Mason & His Hot Five" im Biergarten des Parkrestaurants Rheinaue und endet am 31. Juli mit der "Oldie GmbH", die im Kulurzentrum Hardtberg, Bonn-Duisdorf, ab 11 Uhr gastiert. Zu beiden Konzerten ist der Eintritt übrigens frei.
Insgesamt ist das jazzige Programm bunt gemischt. Willkürlich greife ich einige weitere Veranstaltungen heraus. Da spielen die "Big Band des Aloisiuskollegs &Jugend Jazz Orchester Bonn" am Samstag, 02. Juli, von 17 - 19 Uhr in der Kirche des Aloisiuskollegs in Bonn-Bad Godesberg, "Semmel`s Hot Shots Quartett" in der Musikkneipe "Kater 26", Römerstr. 26, am Dienstag, 05. Juli, ab 20 Uhr und "Blues 66" mit Rhythm & Blues in der Gaststätte Sonja`s, Friedrichstr. 13 in Bonn, am Samstag, 16. Juli, ab 16 Uhr. (Die Anmerkung sei erlaubt: auch die "OK-JAZZBAND" gastierte in ihren Anfängen imm wieder mal in diesem schönen Lokal mitten in der Stadt).
Ein solches Programm ist nur möglich, weil es engagierte Gastronomen gibt, die ihr Lokal als Spielstätte zur Verfügung stellen, und weil verschiedene Veranstaltungsreihen aufgelegt werden, hinter denen musikbegeisterte Organisatoren und mitunter auch Sponsoren stehen. So fällt in Bonn auf, dass sich durch die Sommermonate die Reihe "Jazz im Biergarten" zieht, die laut Kalender in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen feiert. Dann gibt es da die Reihe "GA-Sommergarten" auf dem Dach der Bundeskunsthalle in der Friedrich-Ebert-Allee. "GA" - das meint natürlich den "Bonner Generalanzeiger". Und schließlich hat der Stadtteil Duisdorf seinen "Jazz-Sommer". Dort gastieren neben der schon erwähnten "Oldie GmbH" z.B. die "Cologne Jass Society" und die "New Jazz Cats".
Das ist, wie gesagt, nur eine Zufallsauswahl aus dem umfangreichen Jazzprogramm in Bonn. In der früheren Bundshauptstadt führt unsere Musik somit garantiert kein Mauerblümchendasein. Der Redakteur des "Jazz-Kalenders", Walter P.R. Schnabel, weist allerdings immer wieder darauf hin, dass ein solches Angebot nur Bestand hat, wenn die Konzerte regen Zuspruch finden. Dem kann ich mich nur anschließen.....
www.ok-jazzband.de
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
heute, am letzten Tag des Monats, flatterte wieder pünktlich via E-Mail der "Jazz-Kalender für Bonn & Umgebung" ins Haus. Diesmal also für den Monat Juli. Es macht ja immer wieder Spaß, zu sehen, wie lebendig die Bonner Jazzszene ist. Immerhin 21 Veranstaltungen listet der Kalender für den Sommermonat auf. Das beginnt schon am morgigen Freitag mit "Rod Mason & His Hot Five" im Biergarten des Parkrestaurants Rheinaue und endet am 31. Juli mit der "Oldie GmbH", die im Kulurzentrum Hardtberg, Bonn-Duisdorf, ab 11 Uhr gastiert. Zu beiden Konzerten ist der Eintritt übrigens frei.
Insgesamt ist das jazzige Programm bunt gemischt. Willkürlich greife ich einige weitere Veranstaltungen heraus. Da spielen die "Big Band des Aloisiuskollegs &Jugend Jazz Orchester Bonn" am Samstag, 02. Juli, von 17 - 19 Uhr in der Kirche des Aloisiuskollegs in Bonn-Bad Godesberg, "Semmel`s Hot Shots Quartett" in der Musikkneipe "Kater 26", Römerstr. 26, am Dienstag, 05. Juli, ab 20 Uhr und "Blues 66" mit Rhythm & Blues in der Gaststätte Sonja`s, Friedrichstr. 13 in Bonn, am Samstag, 16. Juli, ab 16 Uhr. (Die Anmerkung sei erlaubt: auch die "OK-JAZZBAND" gastierte in ihren Anfängen imm wieder mal in diesem schönen Lokal mitten in der Stadt).
Ein solches Programm ist nur möglich, weil es engagierte Gastronomen gibt, die ihr Lokal als Spielstätte zur Verfügung stellen, und weil verschiedene Veranstaltungsreihen aufgelegt werden, hinter denen musikbegeisterte Organisatoren und mitunter auch Sponsoren stehen. So fällt in Bonn auf, dass sich durch die Sommermonate die Reihe "Jazz im Biergarten" zieht, die laut Kalender in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen feiert. Dann gibt es da die Reihe "GA-Sommergarten" auf dem Dach der Bundeskunsthalle in der Friedrich-Ebert-Allee. "GA" - das meint natürlich den "Bonner Generalanzeiger". Und schließlich hat der Stadtteil Duisdorf seinen "Jazz-Sommer". Dort gastieren neben der schon erwähnten "Oldie GmbH" z.B. die "Cologne Jass Society" und die "New Jazz Cats".
Das ist, wie gesagt, nur eine Zufallsauswahl aus dem umfangreichen Jazzprogramm in Bonn. In der früheren Bundshauptstadt führt unsere Musik somit garantiert kein Mauerblümchendasein. Der Redakteur des "Jazz-Kalenders", Walter P.R. Schnabel, weist allerdings immer wieder darauf hin, dass ein solches Angebot nur Bestand hat, wenn die Konzerte regen Zuspruch finden. Dem kann ich mich nur anschließen.....
www.ok-jazzband.de
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Montag, 20. Juni 2016
Once more: Honey Babe (Jelly Roll Morton)
Hallo Freunde,
das Netz vergisst bekanntlich nichts. Das kann mitunter bedauerlich sein, hat aber auch seine Vorteile. Beim Stöbern in den Beiträgen dieses Blogs bin ich jedenfalls auf zwei alte Artikel gestoßen, die sich mit Jelly Roll Morton`s Komposition "Honey Babe" befassen. Der erste Beitrag stammt vom 07. Juni 2010. Das ist also schon eine Weile her. Anlass war die Frage, weshalb Jelly in den 20er Jahren so gut wie gar nicht als Sänger zum Vorschein kam. Ausnahme ist bekanntlich sein Klassiker "Dr. Jazz". Bei "Honey Babe" handelt es sich um eine Trio-Aufnahme aus der New Yorker Session vom 11. Juni 1928 mit Ward Pinkett (Trompete) und Tommy Benford (Schlagzeug). Urpsprünglich hatte ich vermutet, dass auch die am selben Tag entstandene Einspielung des "Sidewalk Blues" (nicht zu verwechseln mit der berühmten Chicago-Aufnahme von 1926) einen Gesangspart mit Jelly`s Vocal hatte. Dies musste ich aber nach Einsicht in die discographischen Aufzeichnungen von Victor-Records in meinem Artikel vom 03. Oktober 1913 korrigieren. Sowohl "Honey Babe" als auch "Sidewalk Blues" (von 1928) wurden nie veröffentlicht. Die Aufnahmen wurden "zerstört", sind also verschollen. Rund ein Jahrzehnt später hat uns dann Jelly im Rahmen seiner Come-Back-Versuche mit einer Reihe von Gesangsaufnahmen entschädigt. (Dazu gehören natürlich auch die Vocals, die im Rahmen seiner Aufnahmen in der Washingtoner Kongreß-Bibliothek für Alan Lomax entstanden).
Langer Rede kurzer Schluss: hier jetzt der Text von "Honey Babe". Die Aufnahme ist zwar verschollen, aber Melodie und Worte sind überliefert. Noch kurz zur Form: "Honey Babe" hat ein harmonisch erweitertes Blues-Schema. Der Text besteht aus zwei Strophen.
I love that train called the Lovin` Cannon Ball,
Carries Sixteen coaches and no blinds at all.
So sad and blue, Honey Babe, about you.
I never have one woman at a time,
Always six, seven, eight or nine.
So sad and blue, Honey Babe, about you.
Soviel vorläufig zum Thema Jelly Roll Morton als Sänger und "das Netz vergisst nichts"............
www.ok-jazzband.de
CD: "Tribute to Jelly Roll Morton" - (deezer, iTunes).
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
das Netz vergisst bekanntlich nichts. Das kann mitunter bedauerlich sein, hat aber auch seine Vorteile. Beim Stöbern in den Beiträgen dieses Blogs bin ich jedenfalls auf zwei alte Artikel gestoßen, die sich mit Jelly Roll Morton`s Komposition "Honey Babe" befassen. Der erste Beitrag stammt vom 07. Juni 2010. Das ist also schon eine Weile her. Anlass war die Frage, weshalb Jelly in den 20er Jahren so gut wie gar nicht als Sänger zum Vorschein kam. Ausnahme ist bekanntlich sein Klassiker "Dr. Jazz". Bei "Honey Babe" handelt es sich um eine Trio-Aufnahme aus der New Yorker Session vom 11. Juni 1928 mit Ward Pinkett (Trompete) und Tommy Benford (Schlagzeug). Urpsprünglich hatte ich vermutet, dass auch die am selben Tag entstandene Einspielung des "Sidewalk Blues" (nicht zu verwechseln mit der berühmten Chicago-Aufnahme von 1926) einen Gesangspart mit Jelly`s Vocal hatte. Dies musste ich aber nach Einsicht in die discographischen Aufzeichnungen von Victor-Records in meinem Artikel vom 03. Oktober 1913 korrigieren. Sowohl "Honey Babe" als auch "Sidewalk Blues" (von 1928) wurden nie veröffentlicht. Die Aufnahmen wurden "zerstört", sind also verschollen. Rund ein Jahrzehnt später hat uns dann Jelly im Rahmen seiner Come-Back-Versuche mit einer Reihe von Gesangsaufnahmen entschädigt. (Dazu gehören natürlich auch die Vocals, die im Rahmen seiner Aufnahmen in der Washingtoner Kongreß-Bibliothek für Alan Lomax entstanden).
Langer Rede kurzer Schluss: hier jetzt der Text von "Honey Babe". Die Aufnahme ist zwar verschollen, aber Melodie und Worte sind überliefert. Noch kurz zur Form: "Honey Babe" hat ein harmonisch erweitertes Blues-Schema. Der Text besteht aus zwei Strophen.
I love that train called the Lovin` Cannon Ball,
Carries Sixteen coaches and no blinds at all.
So sad and blue, Honey Babe, about you.
I never have one woman at a time,
Always six, seven, eight or nine.
So sad and blue, Honey Babe, about you.
Soviel vorläufig zum Thema Jelly Roll Morton als Sänger und "das Netz vergisst nichts"............
www.ok-jazzband.de
CD: "Tribute to Jelly Roll Morton" - (deezer, iTunes).
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Montag, 13. Juni 2016
OK-DREAMBAND wieder kreativ
Hallo Freunde,
ich hatte hier im Blog schon gelegentlich über die uns befreundete OK-DREAMBAND berichtet. Die Gruppe besticht durch einen eingängigen Sound, der durchaus in Richtung Easy-Listening geht. Dabei greift sie - und das macht sie interessant für uns - auch auf Titel aus dem Oldtime-Repertoire zurück. Ihre 2014 veröffentlichte CD zum Beispiel enthält zwei Kompositionen des Ragtime-Pioneers Scott Joplin: "Clarinet Rag" und "The Entertainer". Joplin-Kenner werden jetzt einwenden, dass es doch keinen "Clarinet Rag" aus dessen Feder gebe. Richtig. Es handelt sich hier um eine Adaption der "Original Rags" für Klarinette und Rhythmusgruppe - übrigens mit einer ordentlichen Latin-Prise.
Kürzlich war die Band erneut im Studio, und demnächst werden sechs neue Titel veröffentlicht, die easy und swinging sind. Sobald das Datum der Veröffentlichung bekannt ist, werde ich Euch natürlich benachrichtigen.
Ich bin schon richtig gespannt.........
CDs der OK-DREAMBAND: "Clarinet-Dreams" und "Clarinet Rag".
www.ok-dreamband.de
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
ich hatte hier im Blog schon gelegentlich über die uns befreundete OK-DREAMBAND berichtet. Die Gruppe besticht durch einen eingängigen Sound, der durchaus in Richtung Easy-Listening geht. Dabei greift sie - und das macht sie interessant für uns - auch auf Titel aus dem Oldtime-Repertoire zurück. Ihre 2014 veröffentlichte CD zum Beispiel enthält zwei Kompositionen des Ragtime-Pioneers Scott Joplin: "Clarinet Rag" und "The Entertainer". Joplin-Kenner werden jetzt einwenden, dass es doch keinen "Clarinet Rag" aus dessen Feder gebe. Richtig. Es handelt sich hier um eine Adaption der "Original Rags" für Klarinette und Rhythmusgruppe - übrigens mit einer ordentlichen Latin-Prise.
Kürzlich war die Band erneut im Studio, und demnächst werden sechs neue Titel veröffentlicht, die easy und swinging sind. Sobald das Datum der Veröffentlichung bekannt ist, werde ich Euch natürlich benachrichtigen.
Ich bin schon richtig gespannt.........
CDs der OK-DREAMBAND: "Clarinet-Dreams" und "Clarinet Rag".
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Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Samstag, 14. Mai 2016
Jelly Roll Morton: Sidewalk Blues
Hallo Freunde,
Jelly Roll Morton`s "Sidewalk Blues", aufgenommen am 21. September 1926 mit seinen "Red Hot Peppers" in Chicago, zählt sicherlich zu den perfektesten Einspielungen des Meisters. Mit seinen arrangierten Passagen steht der Titel an der Schnittstelle zwischen New-Orleans-Jazz und aufkommender größerer Besetzung - von Big Band will ich noch nicht reden - und den dazugehörenden Bläsersätzen. Insgesamt dominiert der Eindruck einer klassischen New-Orleans-Einspielung. Der von den Blechbläsern intonierte Trio-Satz klingt erdig, die Wiederholung durch die Klarinetten tendiert ebenfalls in Richtung New Orleans. Wären anstelle der Klarinetten drei Saxophone zum Einsatz gekommen, dann hätte sich dieser Eindruck, so glaube ich, mehr in Richtung "kleiner Big Band" verschoben. Man kann das ja mal ausprobieren.
Obwohl also der "Sidewalk Blues" mit seiner perfekten Satzarbeit, den beiden sicher intonierten Soli von George Mitchell (co) und Omer Simeon (cl) sowie dem genialen Background-Piano Morton`s zu den Highlights seines Schaffens gehört, hat der Titel es nie zu einem Standard im Jazzrepertoire geschafft. Das mag mit der oben skizzierten Zwitterstellung zu tun haben. Letztlich entfaltet sich die für den New-Orleans-Jazz typische Polyphonie nur in den jeweils letzten acht Takten des Trios und seiner Wiederholung. Dagegen ist auch der Polyphonie des unmittelbar auf Mitchell`s Kornett-Solo folgenden Kollektivs anzumerken, dass sie nicht spontan entwickelt ist, sondern auf einem vorgegebenen Arrangement basiert.
Der Bausatz des "Sidewalk Blues" erscheint auf den ersten Blick untypisch für Morton`s Schaffen mit den "Red Hot Peppers". Die beiden schon erwähnten Soli finden sich im ersten Teil der Aufnahme. (Das den Titel eröffnende, über einem Off-Beat liegende Kornett-Solo dient der Vorstellung es ersten Themas). Dagegen gibt es keine Soli im Trio-Teil. Dies führt dazu, dass die Aufnahme nicht einem finalen Höhepunkt entgegenstrebt. Beim "Black Bottom Stomp" und "The Chant" etwa ist genau dies der Fall. Hier steigert sich die Band nach den jeweils unbegleiteten Piano-Solos in zwei sich übertrumpfenden Schluss-Chorussen zum polyphonen Höhenrausch mit jeweils zweitaktigem verlängertem Schluss. Dagegen wirkt der "Sidewalk Blues" eher gleichförmig ausgewogen. Dazu trägt auch die insgesamt dreimal gespielte, arrangierte zweitaktige Schlussphrase bei. Der kollektive Höhenrausch wird hier durch kontrollierte Ensemble-Inszenierung ersetzt.
Dieses Konzept entspringt keiner zufälligen Laune, wie sich aus den vorausgehenden Darlegungen leicht erkennen lässt. Dies zeigt sich auch daran, dass Morton dieses Prinzip bei einer weiteren Aufnahme fast identisch umgesetzt hat. Die Rede ist von "The Pearls", aufgenommen am 10. Juni 1927. Auch hier der Beginn mit einem Off-Beat-Kornett-Solo (wieder von George Mitchell). Auch in diesem Fall stellt das Kornett den komponierten ersten Teil des Stückes vor. Der zweite Teil wird in kollektiver New-Orleans-Polyphonie gespielt, lehnt sich aber ebenfalls eng an ein vorgegebenes Arrangement an.
Dann folgt ein Altsaxophon-Solo (Stump Evans). Das Trio wird zweimal kollektiv, aber arrangiert gespielt - mit leichten Variationen in der Wiederholung. Und auch hier der langgezogene, kontrollierte Schluss. Kein Wunder, dass auch diese Aufnahme nicht das Feuer der oben genannten Beispiele "Black Bottom Stomp" und "The Chant" entfacht. Aber, so zeigt sich, dies ist gewollt. Kein Wunder auch, dass "The Pearls" zwar zu Jelly`s berühmtesten Kompositionen gehört, aber nie ein wirklicher Standard im Repertoire klassischer Oldtime-Formationen wurde. Das hängt in diesem Fall - anders als beim "Sidewalk Blues" - sicher auch mit der komplexen Melodieführung zusammen.
Damit soll mein kleiner Ausflug in ein Strukturprinzip Morton`scher Gestaltungskunst beendet sein. Wenn ich es richtig sehe, wurde diese Verbindung zwischen "Sidewalk Blues" und "The Pearls" bisher nicht hergestellt. In einem weiteren Beitrag werde ich demnächst einige weitere Aspekte des "Sidewalk Blues" beleuchten............
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Jelly Roll Morton`s "Sidewalk Blues", aufgenommen am 21. September 1926 mit seinen "Red Hot Peppers" in Chicago, zählt sicherlich zu den perfektesten Einspielungen des Meisters. Mit seinen arrangierten Passagen steht der Titel an der Schnittstelle zwischen New-Orleans-Jazz und aufkommender größerer Besetzung - von Big Band will ich noch nicht reden - und den dazugehörenden Bläsersätzen. Insgesamt dominiert der Eindruck einer klassischen New-Orleans-Einspielung. Der von den Blechbläsern intonierte Trio-Satz klingt erdig, die Wiederholung durch die Klarinetten tendiert ebenfalls in Richtung New Orleans. Wären anstelle der Klarinetten drei Saxophone zum Einsatz gekommen, dann hätte sich dieser Eindruck, so glaube ich, mehr in Richtung "kleiner Big Band" verschoben. Man kann das ja mal ausprobieren.
Obwohl also der "Sidewalk Blues" mit seiner perfekten Satzarbeit, den beiden sicher intonierten Soli von George Mitchell (co) und Omer Simeon (cl) sowie dem genialen Background-Piano Morton`s zu den Highlights seines Schaffens gehört, hat der Titel es nie zu einem Standard im Jazzrepertoire geschafft. Das mag mit der oben skizzierten Zwitterstellung zu tun haben. Letztlich entfaltet sich die für den New-Orleans-Jazz typische Polyphonie nur in den jeweils letzten acht Takten des Trios und seiner Wiederholung. Dagegen ist auch der Polyphonie des unmittelbar auf Mitchell`s Kornett-Solo folgenden Kollektivs anzumerken, dass sie nicht spontan entwickelt ist, sondern auf einem vorgegebenen Arrangement basiert.
Der Bausatz des "Sidewalk Blues" erscheint auf den ersten Blick untypisch für Morton`s Schaffen mit den "Red Hot Peppers". Die beiden schon erwähnten Soli finden sich im ersten Teil der Aufnahme. (Das den Titel eröffnende, über einem Off-Beat liegende Kornett-Solo dient der Vorstellung es ersten Themas). Dagegen gibt es keine Soli im Trio-Teil. Dies führt dazu, dass die Aufnahme nicht einem finalen Höhepunkt entgegenstrebt. Beim "Black Bottom Stomp" und "The Chant" etwa ist genau dies der Fall. Hier steigert sich die Band nach den jeweils unbegleiteten Piano-Solos in zwei sich übertrumpfenden Schluss-Chorussen zum polyphonen Höhenrausch mit jeweils zweitaktigem verlängertem Schluss. Dagegen wirkt der "Sidewalk Blues" eher gleichförmig ausgewogen. Dazu trägt auch die insgesamt dreimal gespielte, arrangierte zweitaktige Schlussphrase bei. Der kollektive Höhenrausch wird hier durch kontrollierte Ensemble-Inszenierung ersetzt.
Dieses Konzept entspringt keiner zufälligen Laune, wie sich aus den vorausgehenden Darlegungen leicht erkennen lässt. Dies zeigt sich auch daran, dass Morton dieses Prinzip bei einer weiteren Aufnahme fast identisch umgesetzt hat. Die Rede ist von "The Pearls", aufgenommen am 10. Juni 1927. Auch hier der Beginn mit einem Off-Beat-Kornett-Solo (wieder von George Mitchell). Auch in diesem Fall stellt das Kornett den komponierten ersten Teil des Stückes vor. Der zweite Teil wird in kollektiver New-Orleans-Polyphonie gespielt, lehnt sich aber ebenfalls eng an ein vorgegebenes Arrangement an.
Dann folgt ein Altsaxophon-Solo (Stump Evans). Das Trio wird zweimal kollektiv, aber arrangiert gespielt - mit leichten Variationen in der Wiederholung. Und auch hier der langgezogene, kontrollierte Schluss. Kein Wunder, dass auch diese Aufnahme nicht das Feuer der oben genannten Beispiele "Black Bottom Stomp" und "The Chant" entfacht. Aber, so zeigt sich, dies ist gewollt. Kein Wunder auch, dass "The Pearls" zwar zu Jelly`s berühmtesten Kompositionen gehört, aber nie ein wirklicher Standard im Repertoire klassischer Oldtime-Formationen wurde. Das hängt in diesem Fall - anders als beim "Sidewalk Blues" - sicher auch mit der komplexen Melodieführung zusammen.
Damit soll mein kleiner Ausflug in ein Strukturprinzip Morton`scher Gestaltungskunst beendet sein. Wenn ich es richtig sehe, wurde diese Verbindung zwischen "Sidewalk Blues" und "The Pearls" bisher nicht hergestellt. In einem weiteren Beitrag werde ich demnächst einige weitere Aspekte des "Sidewalk Blues" beleuchten............
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Donnerstag, 14. April 2016
Mario Adler Quartett
Hallo Freunde,
das Wochenende naht. Zeit für die Überlegung, welche Veranstaltung man besuchen könnte. Eine gute Adresse ist immer der Mülheimer Jazzclub, der bekanntlich sein Domizil im Hotel "Hopfensack" hat. Dort gastiert am morgigen Freitag (15. April) das Mario-Adler-Quartett aus Krefeld. Auf diese Gruppe, die sich am swingenden Stil des Sinti- und Roma-Jazz orientiert, darf man sicher gespannt sein. Und weil ich schon gerade auf der Seite des Jazzclubs Mülheim war, hier noch die restlichen Veranstaltungen für den Monat April: am 22. April spielt die Band "Dokter Jazz & Co" aus Arnheim auf. Schon einen Tag später gibt es einen Auftritt der "Luisenschule Bigband Mülheim" und am 29. April heisst es dann: "Die 4 vom Revier plus 1".
Über Anfangszeiten und Eintrittspreise könnt Ihr Euch auf der Web-Site des Jazzclubs Mülheim informieren. Viel Spaß bei guter Musik........
www.ok-jazzband.de - CD "Tribute to Jelly Roll Morton" (iTunes, amazon, spotify).
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
das Wochenende naht. Zeit für die Überlegung, welche Veranstaltung man besuchen könnte. Eine gute Adresse ist immer der Mülheimer Jazzclub, der bekanntlich sein Domizil im Hotel "Hopfensack" hat. Dort gastiert am morgigen Freitag (15. April) das Mario-Adler-Quartett aus Krefeld. Auf diese Gruppe, die sich am swingenden Stil des Sinti- und Roma-Jazz orientiert, darf man sicher gespannt sein. Und weil ich schon gerade auf der Seite des Jazzclubs Mülheim war, hier noch die restlichen Veranstaltungen für den Monat April: am 22. April spielt die Band "Dokter Jazz & Co" aus Arnheim auf. Schon einen Tag später gibt es einen Auftritt der "Luisenschule Bigband Mülheim" und am 29. April heisst es dann: "Die 4 vom Revier plus 1".
Über Anfangszeiten und Eintrittspreise könnt Ihr Euch auf der Web-Site des Jazzclubs Mülheim informieren. Viel Spaß bei guter Musik........
www.ok-jazzband.de - CD "Tribute to Jelly Roll Morton" (iTunes, amazon, spotify).
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Dienstag, 29. März 2016
Roger Cicero tot
Hallo Freunde,
es ist wirklich tragisch: da versucht jemand, mit Charme und einer Portion Ironie den Swing wieder dorthin zu bringen, wo er viele Jahre zuhause war - in der Mitte der kulturbeflissenen Gesellschaft nämlich -, und dann reisst ihn ein unbarmherziges Schicksal mitten aus dem Erfolg heraus. Denn erfolgreich war Roger Cicero, der am 24. März in Hamburg im Kreis seiner Lieben nach einem Hirninfarkt aus dem Leben genommen wurde.
Roger Cicero ist seinen eigenen Weg gegangen. Er war überzeugt davon, dass der Swing als kraftspendendes Zentrum seiner Musik das Potenzial hatte, die Menschen zu begeistern und gleichermaßen zu bezaubern. Dazu musste der Sound aufgefrischt und mit zeitgemäßen Texten kombiniert werden. Das war leichter gesagt als getan. Aber Roger glaubte an sein Konzept und machte es zu seiner Mission. Swing mit modernen deutschen Texten wurde zu seinem Markenzeichen, und viele Musikfreunde folgten ihm. Es liegt auf der Hand, dass Roger Cicero mit solch einem gegen den Mainstream der Popmusik gebürsteten Programm nicht sogleich zum Durchstarter wurde. Es brauchte seine Zeit, um die Ideen reifen zu lassen. Und immer müssen auch Mitstreiter gefunden werden, die bereit sind, ebenfalls den nicht leichten Weg zu gehen.
Aber Roger Cicero schaffte es. 2006 wurde sein Album "Männersachen" ein Hit, schaffte es auf Platz 3 der deutschen Charts. Damals war der in Berlin geborene Sänger schon mitten in den Dreissigern.
Die Gabe, verschiedene musikalische Elemente grenzüberschreitend zu verbinden, hatte Roger wohl von seinem Vater ererbt. Eugen Cicero war ein begnadeter Jazzpianist. Seine Adaptionen barocker, klassischer und romantischer Musik waren von unvergleichlicher Brillanz. "Wenn `Play-Bach`, dann nur von Eugen Cicero", wies mir ein sehr geschätzter Jazzmusiker den Weg.
Zurück zu Roger. Es steht zu befürchten, dass seine erfolgreichen Bemühungen, den Swing wieder populär zu machen, mit seinem plötzlichen Tod ein unverdientes Ende finden. Und somit ist es an uns, auf diesem Weg fortzufahren, den "alten" Jazz in der Mitte der Gesellschaft zu halten und damit Rogers unausgesprochenes Vermächtnis zu unserer Sache zu machen.........
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
es ist wirklich tragisch: da versucht jemand, mit Charme und einer Portion Ironie den Swing wieder dorthin zu bringen, wo er viele Jahre zuhause war - in der Mitte der kulturbeflissenen Gesellschaft nämlich -, und dann reisst ihn ein unbarmherziges Schicksal mitten aus dem Erfolg heraus. Denn erfolgreich war Roger Cicero, der am 24. März in Hamburg im Kreis seiner Lieben nach einem Hirninfarkt aus dem Leben genommen wurde.
Roger Cicero ist seinen eigenen Weg gegangen. Er war überzeugt davon, dass der Swing als kraftspendendes Zentrum seiner Musik das Potenzial hatte, die Menschen zu begeistern und gleichermaßen zu bezaubern. Dazu musste der Sound aufgefrischt und mit zeitgemäßen Texten kombiniert werden. Das war leichter gesagt als getan. Aber Roger glaubte an sein Konzept und machte es zu seiner Mission. Swing mit modernen deutschen Texten wurde zu seinem Markenzeichen, und viele Musikfreunde folgten ihm. Es liegt auf der Hand, dass Roger Cicero mit solch einem gegen den Mainstream der Popmusik gebürsteten Programm nicht sogleich zum Durchstarter wurde. Es brauchte seine Zeit, um die Ideen reifen zu lassen. Und immer müssen auch Mitstreiter gefunden werden, die bereit sind, ebenfalls den nicht leichten Weg zu gehen.
Aber Roger Cicero schaffte es. 2006 wurde sein Album "Männersachen" ein Hit, schaffte es auf Platz 3 der deutschen Charts. Damals war der in Berlin geborene Sänger schon mitten in den Dreissigern.
Die Gabe, verschiedene musikalische Elemente grenzüberschreitend zu verbinden, hatte Roger wohl von seinem Vater ererbt. Eugen Cicero war ein begnadeter Jazzpianist. Seine Adaptionen barocker, klassischer und romantischer Musik waren von unvergleichlicher Brillanz. "Wenn `Play-Bach`, dann nur von Eugen Cicero", wies mir ein sehr geschätzter Jazzmusiker den Weg.
Zurück zu Roger. Es steht zu befürchten, dass seine erfolgreichen Bemühungen, den Swing wieder populär zu machen, mit seinem plötzlichen Tod ein unverdientes Ende finden. Und somit ist es an uns, auf diesem Weg fortzufahren, den "alten" Jazz in der Mitte der Gesellschaft zu halten und damit Rogers unausgesprochenes Vermächtnis zu unserer Sache zu machen.........
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
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