Samstag, 21. Oktober 2017

Papa Joe - Jazz im Herbst

Hallo Freunde,

wir haben Herbstferien in Nordrhein-Westfalen. Viele verreisen, viele bleiben aber auch zuhause. Man weiß ja nie so genau, was einen erwartet, wenn man auf Reisen geht.

Für Jazzfreunde, die die ein paar freie Tage haben und nicht auf Achse gehen wollen, ist es eine gute Gelegenheit für einen Abstecher in Papa Joe`s Jazzlokal in der Kölner Altstadt. Ich habe mir einmal das Programm für die kommenden Tage angesehen. Da gibt es jetzt nicht gerade neue Gruppen, aber bewährte Bands, bei denen man in diesem Fall dann doch weiß, was man zu erwarten hat.

Am morgigen Sonntag, 22. Oktober, spielt die "Happy Music Company". Am Montag folgt dann "Swing House" und einen Tag später "Heike Röllig & Friends". Der Mittwoch ist wieder den "Jazz Preachers" vorbehalten. Auch am 26.10., Donnerstag, eine bewährte Band: "Papa Joe`s Jazzmen".
Am Freitag folgen dann die "Red Beans", am 28. Oktober "Listen Here" und am 29. schließlich die "Dixie Devils". (Alle Angaben ohne Gewähr seitens des Verfassers).

Da ist also für ganz unterschiedliche Geschmäcker etwas dabei. Wenn Ihr also nicht sicher seid, wie ein herbstlicher Oktobertag  gut zu verbringen ist, nur zu........

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Mittwoch, 11. Oktober 2017

OK-Jazzband: 21. Dellbrücker Jazzmeile

Hallo Freunde,

morgen startet die 21. sogenannte Jazzmeile in Köln-Dellbrück. Der Begriff bringt zum Ausdruck, dass der gesamte Stadtteil Schauplatz unterschiedlichster Aktivitäten in Sachen Jazz ist. 23 Spielorte listet das Programmheft auf, das immerhin 36 Seiten umfasst. 30 Veranstaltungen sind dort angekündigt. Das ist eine beachtliche Zahl, und für die Liebhaber ganz unterschiedlicher Stilrichtungen ist etwas dabei.

Das Opening übernimmt am Donnerstag die Band "Woodhouse" aus Mülheim an der Ruhr. An den folgenden drei Tagen bis Sonntag gibt es ein Feuerwerk von Auftritten diverser Gruppen. Dass die Organisatoren nicht nur einfach Bands nach Köln holen, sondern sich auch um Zeitbezüge bemühen, macht dieses Beispiel deutlich: in der Nacht zum Sonntag spielt die "Atlanta Jazzband" in der Evangelischen Christuskirche das Programm "Atlanta Jazzband Meets Luhter" (Beginn: 23.00 Uhr). Mit Luther-Liedern in eigenen Arrangements wird eine Verbindung zum Luther-Jahr bzw. zum Beginn der Reformation vor 500 Jahren hergestellt. Von solchen Initiativen sollte es mehr geben.

Wieder mit dabei sind am Sonntag die "Cologne Dixieland Steamers", Kölns älteste Dixie-Gruppe, in aktueller Besetzung. Zu hören sind bei der Jazzmeile auch "Ali Claudi & The Groove", das "Subway Jazz Orchestra", "Echoes of Nawlins" und viele andere.

Gut finde ich es auch, wenn Brücken zwischen den Gattungen geschlagen werden: so tritt am Freitag zu einer Lesung des Autors Florian Beckerhoff ("Herrn Haiduks Laden der Wünsche") das Duo Bianca Kerres (voc) und Hans Fücker (piano) auf.

Die Organisatoren des Veranstalters "delljazz" haben sich wieder alle Mühe gegeben, dem Jazz in vielerlei Facetten ein Forum zu geben. Und eine ganze Reihe von Sponsoren erkennt dieses Engagement durch finanzielle Unterstützung oder Bereitstellung von Räumlichkeiten an. Das gibt es in dieser Form nicht alle Tage, und deshalb kann man das Projekt nur ohne wenn und aber unterstützen.

www.ok-jazzband.de

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Montag, 7. August 2017

Red Onion Jazzband zum Zweiten

Hallo Freunde,

über die Red Onion Jazzband aus Köln habe ich am 20. Januar 2016 geschrieben. Wollte jetzt mal wissen, wie der Stand der Dinge bei den Oldtime-Kollegen ist. Die Band ist weiter aktiv, auch wenn die Zahl der öffentlichen Auftritte eher gering ist. Diese schwierige Situation, die ja die meisten Bands mehr oder minder trifft, hatte damals auch Red-Onion-Bandleader Volkmar Trüb in einer Zuschrift auf meinen Beitrag beklagt - nachzulesen unter obigem Datum.

Immerhin gab es dieses Jahr schon einen Ausflug nach Hamburg in den legendären Cotton-Club. Für Oktober stehen laut Terminvorschau der Band zwei weitere Auftritte an: am 01. Oktober in der Playa in Cologne (Junkersdorfer Str.) und am 22.10. in der Historischen Wassermühle in Birgel.

In der Besetzung hat es offenbar zwischenzeitlich eine Veränderung gegeben: statt Helm Renz spielt jetzt der Klarinettist und Altsaxophonist Wolfgang Gundlach mit, der ebenfalls über große Erfahrung verfügt. Die aktuelle Besetzung ist für den Besucher der Web-Site nicht auf Anhieb eindeutig, weil auf dem -  sehr gelungenen - Bandfoto mit den roten Zwiebeln nach wie vor Helm Renz zu sehen ist.
Vielleicht gab es ja noch keine Gelegenheit zu einer neuen Aufnahme oder aber der Web-Master hatte noch keine Zeit, eine solche einzustellen. Falls ich das jetzt nicht ganz richtig dargestellt habe, bitte ich die Band um Nachsicht.

Unter dem Strich bleibt jedenfalls mein schon im vergangenen Jahr gezogenes Fazit: diese Gruppe, die den guten alten Jazz am Leben erhält, hat mehr Auftritte und damit mehr Gehör verdient. Ich bin sicher: das wird schon werden.......

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Donnerstag, 27. Juli 2017

Jelly and the Duke, Artie and Woody

Hallo Freunde,

Musiker sind sich nicht immer in Freundschaft verbunden. Das ist menschlich und geht so durch die Epochen und durch die Stile. Dieses (Miss-)Verhältnis drückt sich oft nicht nur im persönlichen Umgang miteinander sondern auch in abschätzigen Urteilen aus. Solche Wertungen finden mitunter große Verbreitung, etwa wenn ein berühmter Musiker sich in seinen Erinnerungen entsprechend äußert. Ein Beispiel hatte ich in meinem Beitrag vom 18. April 2015 dargestellt: Louis Armstrong bezeichnete in seinen Erinnerungen an New Orleans den Trompeter Buddy Bolden als "grob und ungeschlacht". Ob das wirklich zutrifft, können wir nicht beurteilen. Von Bolden sind keine Plattenaufnahmen überliefert. Vielleicht handelt es sich um eine ganz subjektive Sichtweise. Aus dem Mund der Jazz-Legende Louis Armstrong aber wirkt das Verdikt doch wie ein musikalisches Todesurteil, gegen das sich der damals schon lange verstorbene Buddy Bolden nicht mehr zur Wehr setzen konnte.
Jelly Roll Morton ist in seinen Erinnerungen zurückhaltender. Morton bezeichnet Buddy schlicht als "den gewaltigsten aller Trompeter und den absoluten Liebling aller Stammkunden des Gartenquartiers" in New Orleans. "Einen gewaltigeren Trompeter hat es seit dem Erzengel Gabriel nicht gegeben. Es kam vor, dass wir an irgendeiner Ecke herumlümmelten und nicht wußten, daß draußen im Lincoln Park Tanz war. Dann hörten wir Buddys Kornett und zogen los. War einmal wenig Publikum im Lincoln Park, so richtete Buddy sein Horn gegen das Stadtzentrum und blies seinen Blues, um, wie er zu sagen pflegte, ´seine Kinder heimzurufen´. Dann wußte die ganze Stadt, daß Buddy im Park spielte, zehn oder zwölf Meilen vom Zentrum entfernt". (Zit. n. Jelly Roll Morton/Alan Lomax, Doctor Jazz, Sammlung Luchterhand 1992, S. 65f.). Dies sagt nichts über die künstlerische Qualität von Buddy`s Trompetenspiel aus, aber spiegelt dessen Stellung in der frühen Jazzszene von New Orleans wider. Einmal die Sicht des Trumpet-Kings Louis, einmal die Sicht des Publikums, wiedergegeben in der Erinnerung des Pianisten Jelly Roll Morton: es kommt eben immer auf die Perspektive an.
Bleiben wir bei Jelly. Ihn verband eine Feindschaft mit dem Pianisten, Komponisten und Bandleader Duke Ellington. Der Duke erntete seinen ersten frühen Ruhm mit dem Jungle-Style seines Orchesters. Jelly hatte 1927 selbst einen Titel in dieser Richtung eingespielt, seine Komposition "Jungle Blues". Morton warf Ellington vor, den Jungle-Style bei ihm gestohlen zu haben. Ellington revanchierte sich mit abfälligen Bemerkungen, etwa dieser Art: "Jelly Roll Morton played piano like one of those high School teachers in Washington". (Zit. n. Howard Reich/William Gaines, Jelly`s Blues, Cambridge (USA) 2003, S. 231). Als Jelly am 16. Juli 1941 in Los Angeles beigesetzt wurde, fehlte Ellington unter den Trauergästen. Dies wurde von Zeitgenossen aufmerksam registriert und als bewusstes Zeichen gewertet, weil der Duke ganz in der Nähe, im Mayan Theatre in Los Angeles, mit seiner Band gastierte. Das war dann wohl mehr als eine lebenslange Feindschaft.
Und noch ein drittes Beispiel für ein abschätziges Urteil von Musikerkollege zu Musikerkollege. Diesmal geht es um Klarinettisten. Artie Shaw nahm kein Blatt vor den Mund in der Bewertung von Woody Herman. "Woody had a good band...I don`t know how he did it; he played badly". Lediglich seinen Kollegen Benny Goodman erkannte Shaw als ebenbürtig an. Aber: ""Woody is not our league". (Zit. n. Tom Nolan, Three Chords for Beauty`s Sake. The Life of Artie Shaw, New York, London 2010, S. 190 u. S. 298).
Soll man die Musiker dafür kritisieren, dass sie so unverblümt, ja schonungslos über Kollegen urteilen? Was bleibt, ist ja nicht die gegenseitige Geringschätzung, sondern die Musik (außer im Fall von Buddy Bolden). Armstrong, Morton, Ellington, Shaw, Herman: sie sind aus der Jazzgeschichte nicht wegzudenken. Die Eifersüchteleien und Streitereien werden mit zunehmendem Abstand dagegen immer mehr zu Marginalien, zu - um im Bild zu bleiben - Randnoten..........

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Montag, 8. Mai 2017

Diether Thoma und der Dixie-Jazz

Hallo Freunde,

am Wochenende las ich in der Zeitung, dass Diether Thoma, ein früherer Hörfunk-Chefredakteur des WDR, gestorben ist. Ich denke, viele erinnern sich noch an ihn. Als Moderator des "Mittagsmagazins" war er sehr präsent. Sein trockener, oft hintergründiger Humor, seine stets unaufgeregten und unvoreingenommen geführten Interviews zeichneten ihn aus. Eigenschaften, die  man heute mitunter schmerzlich vermisst.

Diether Thoma war aber auch im Fernsehen zugegen. In den 70er Jahren präsentierte er gemeinsam mit Alfred Biolek den "Kölner Treff", damals eine Kultsendung am Sonntagabend. Hier ergänzten sich der bedächtig wirkende Diether Thoma und der unkonventionellere, spritzigere Alfred Biolek in hervorragender Weise. In dieser Zeit war auch musikalische Umrahmung durch eine Band, so wie bei anderen Talkshows auch, fester Bestandteil der Sendung. Dazu gehörten auch diverse Gruppen des traditionellen Jazz. Ich durfte einmal in einer solchen Sendung mitwirken. Das war damals noch nicht die OK-JAZZBAND, sondern die Delta-Jazzband. Grund für die Einladung war, dass ein Bandmitglied, der Bassist Peter Dung, auch Talkgast war. Er repräsentierte den Typ des aufgeschlossenen, liberalen Richters - das war sein Brotberuf -, der sich vom damals noch häufig anzutreffenden verknöcherten Amtsjuristen (der Spruch der Studentenbewegung "unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren" war nicht nur auf Professoren gemünzt) unterschied. Das kam auch äußerlich in Peters Haartracht der 60er und 70er Jahre zum Ausdruck - damals hinter Gerichtsmauern noch eine absolute Seltenheit und auch Stein des Anstoßes.

Die Delta-Jazzband bestand zu dieser Zeit aus Helmut Richrath (tp), Frank Hübner (tb), Peter Karbaum (bj), Knut Fischer (dr), meiner Wenigkeit an der Klarinette und eben Peter Dung. Ich erinnere mich, dass es damals - im Jahr 1976, wenn ich mich nicht täusche -, zunächst unsere Aufgabe war, das Publikum in Stimmung zu bringen. Während der Sendung spielten wir dann drei Titel. "Somebody Stole My Gal", "When You`re Smiling" (von Peter Dung gesungen) und ein exotisches Stück von Artie Shaw, "Whe The Quail Come Back zu St. Quentin".

Zwei Dinge sind mir im Zusammenhang mit dieser Talkshow außerdem in Erinnerung geblieben. Die Moderatoren und ihre Gäste hatten viel Zeit für die Gespräche. Vier Gesprächsduette - Thoma und Biolek führten die Talks jeweils getrennt und immer nur mit einem Gast - in anderthalb Stunden.
Die Gäste waren außer Peter Willy Millowitsch, der Soziologe Professor Alfons Silbermann von der Kölner Universität und ein Body-Building-As aus Köln, dessen Name mir entfallen ist. Heute mag es überraschen, damals aber war es mehr oder weniger selbstverständlich, dass alle Talkgäste einschließlich der Band aus Köln kamen. Schließlich sah sich der WDR als Nabel der Welt. Einseitigkeit auch in anderer Hinsicht: die Moderatoren: Männer, die Talkgäste: Männer und die Band: ebenfalls Männer. Es war eben so manches etwas anders als heute. Wenn es in der Gegenwart Talkshows mit Musik gibt, gehört in aller Regel der Trad-Jazz nicht dazu. Das ist aber kein Grund, den alten Zeiten nachzutrauern. Wenn unsere Musik lebendig ist und bleibt, dann wird sie auch ihren Weg in die Sendungen von Radio und Fernsehen finden. Dazu gehört eben, dass der Jazz sich wandelt, mit der Zeit geht, so wie auch die Talkshows von heute nicht mehr mit denen der 70er Jahre zu vergleichen sind.......

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Freitag, 21. April 2017

Super-Jazzclub Gladbeck

Hallo Freunde,

der Jazzclub Gladbeck ist einer der wenigen verbliebenen Clubs im Land und zeichnet sich durch große Aktivität aus. Das verdient Anerkennung und Unterstützung. Garant für die Lebendigkeit ist sicher auch der Vorsitzende Wolfgang Röken, dem es immer wieder gelingt, gute und sehr gute Gruppen ins nördliche Ruhrgebiet zu holen und dafür auch die nötigen Sponsoren zu gewinnen. Denn ein Markenzeichen des Clubs ist es auch, die Veranstaltungen zu erschwinglichen Eintrittspreisen anzubieten.

Die Programmgestaltung geht mit der Zeit. Zunehmend treten Events mit Blues, Gospel, Cajun usw. in den Vordergrund. Die Wurzeln des guten alten Dixieland- und New Orleans Jazz werden gleichwohl gepflegt. Insgesamt ein gelungener Spagat. Und so wundert es nicht, dass der rührige Vorsitzende auf der Web-Site des Clubs von einem "Spitzenprogramm der Extraklasse" spricht und jubiliert: "Ein solches Programm gab es noch nie". Das kann man getrost unterschreiben, denn jedes Jahresprogramm ist ja anders.

Aber die alten Zeiten waren auch nicht schlecht. Mir fiel ein vergilbtes Programm aus dem Jahr 1999 in die Hand. Dort heißt es über das abgelaufene Programmjahr: "Jazz in Swinging Gladbeck: 1998 stellte alles in den Schatten". Und weiter: "1998 war ein Super-Jazz-Jahr. Es stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Mehr als 10.000 Menschen kamen zu den Veranstaltungen des Jazzclubs. Damit hat sich Gladbeck zu einer Hochburg des traditionellen Jazz im Ruhrgebiet entwickelt". Worte des damaligen Vorsitzenden: Wolfgang Röken.

Man sieht: aus der Distanz relativiert sich alles. Denn fast 20 Jahre später scheint ja auch das Programm von damals und der Nachfolgejahre getoppt zu sein. Übrigens traten damals u.a. Kenny Ball und Bob Kerr in Gladbeck auf. Wenn  heute also wirklich alles noch einmal viel besser ist: Hut ab!

Jetzt aber Ironie beiseite: Klappern gehört zum Handwerk. Schließlich müssen die Besucher gelockt und mit dem Erfolg der Konzerte auch die Sponsoren überzeugt werden. Denn im nächsten Jahr soll es dann ja wohl ein noch tolleres Programm geben, wofür wir heute schon viel Erfolg wünschen......

www.ok-jazzband.de

Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp

Samstag, 1. April 2017

Scott Joplin: 100. Todestag

Hallo Freunde,

am 01. April 1917 ist Scott Joplin, der große Ragtime-Pionier gestorben. .Ich denke, Ihr kennt seine berühmte Komposition "The Entertainer" und auch den "Maple Leaf Rag", der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Joplin`s erfolgreichstes Werk war und als Sheet-Music millionenfach verkauft wurde. Als fast zeitgleich mit Joplin`s Tod die Ragtime-Ära endete und der Jazz seinen Siegeszug antrat - 1917 wurden bekanntlich auch die ersten Jazztitel von der "Original Dixieland Jazzband" eingepielt -, wurden auch die Kompositionen von Joplin und anderen Ragtime-Komponisten nicht mehr so häufig gespielt. Und trotzdem waren die spezifischen Merkmale des Ragtime in den Kompositionen und Aufnahmen der Jazzpioniere vielfach spürbar: die Synkopation und der typische Aufbau der Ragtimestücke zum Beispiel. Auf der anderen Seite taucht der Name "Rag"  immer wieder mal in Werktiteln auf, ohne dass es sich wirklich um Ragtimekompositionen im ursprünglichen Sinn handeln muss. Jelly Roll Morton`s "Perfect Rag" etwa würde ich nicht als klassischen Ragtime bezeichnen und auch nicht den von Joe Oliver aufgenommenen "Snake Rag".
Eine detaillierte Analyse spare ich mir für eine spätere Gelegenheit auf. Die Titelgebung zeigt aber, dass sich die Pioniere der 20er Jahre durchaus dieser Wurzel bewusst waren und dass ihnen klar war, dass es weiterhin ein Publikum gab, das für aus diesen Ursprüngen gespeiste Musik empfänglich war.

Wenn man nach klassischen Ragtimekompositionen unter den Aufnahmen der 20er Jahre sucht, wird man etwa bei den "New Orleans Rhythm Kings" mit ihrer, wie ich meine, sehr schönen Einspielung des "Maple Leaf Rag" fündig. Ein interessanter früher Fall ist der "Original Dixieland One Step" (26.02.1917) der "Original Dixieland Jazz Band". Er enthält als Trio den "That Teasin´ Rag" von Joe Jordan. Hier handelt es sich um einen klassischen Fall von Plagiat. Denn Nick La Rocca und seine Mitstreiter von der ODJB machten diese Übernahme nicht kenntlich und gaben den One-Step als komplett von der ODJB geschaffenes Werk aus. Das führte dann zu einer heftigen gerichtlichen Auseinandersetzung. Am Ende standen ein finanzieller Vergleich und die Auflage, die Verwendung von Jordan`s Komposition bei späteren Pressungen deutlich zu machen.

Wenn die frühen Jazzmusiker Ragtime spielen, halten sie sich zumeist an eine Regel, die Joplin stets für seine Kompositionen vorgab, nicht: das Stück nicht schnell zu spielen. Meistens verwendeten sie zügige Tempi. Ich glaube, dass ein ganz entscheidender Grund für die eher geringe Popularität des Ragtime bei den traditionellen Jazzbands darin zu sehen ist, dass es sich um einen Klavierstil handelt. Ragtimekompositionen haben oft keine geradlinige, für das Lead-Instrument Trompete gut zu spielende Melodieführung. Das macht wiederum das Kollektivspiel schwieriger. Trotzdem gab es auch im Dixieland-Revival der 50er Jahre Versuche, neue Ragtimekompositionen zu etablieren. Ein Beispiel dafür ist Chris Barber mit dem "Merrydown Rag" und dem "St. George`s Rag". Barber berücksichtigte dabei allerdings die Anforderungen einer kollektiv spielenden Jazzband.

Scott Joplin und andere Komponisten waren mit ihren Werken unverzichtbare Vorbereiter des traditionellen Jazz, der sich aber auch aus anderen Quellen speiste. Es ist auch heute noch  eine Freude, die Werke der Ragtimepioniere zu hören, ganz gleich, ob als Piano-Soli oder Bandaufführungen....

Soviel für heute.
Herzlich euer
Heribert von Stomp