Hallo Freunde,
über die Red Onion Jazzband aus Köln habe ich am 20. Januar 2016 geschrieben. Wollte jetzt mal wissen, wie der Stand der Dinge bei den Oldtime-Kollegen ist. Die Band ist weiter aktiv, auch wenn die Zahl der öffentlichen Auftritte eher gering ist. Diese schwierige Situation, die ja die meisten Bands mehr oder minder trifft, hatte damals auch Red-Onion-Bandleader Volkmar Trüb in einer Zuschrift auf meinen Beitrag beklagt - nachzulesen unter obigem Datum.
Immerhin gab es dieses Jahr schon einen Ausflug nach Hamburg in den legendären Cotton-Club. Für Oktober stehen laut Terminvorschau der Band zwei weitere Auftritte an: am 01. Oktober in der Playa in Cologne (Junkersdorfer Str.) und am 22.10. in der Historischen Wassermühle in Birgel.
In der Besetzung hat es offenbar zwischenzeitlich eine Veränderung gegeben: statt Helm Renz spielt jetzt der Klarinettist und Altsaxophonist Wolfgang Gundlach mit, der ebenfalls über große Erfahrung verfügt. Die aktuelle Besetzung ist für den Besucher der Web-Site nicht auf Anhieb eindeutig, weil auf dem - sehr gelungenen - Bandfoto mit den roten Zwiebeln nach wie vor Helm Renz zu sehen ist.
Vielleicht gab es ja noch keine Gelegenheit zu einer neuen Aufnahme oder aber der Web-Master hatte noch keine Zeit, eine solche einzustellen. Falls ich das jetzt nicht ganz richtig dargestellt habe, bitte ich die Band um Nachsicht.
Unter dem Strich bleibt jedenfalls mein schon im vergangenen Jahr gezogenes Fazit: diese Gruppe, die den guten alten Jazz am Leben erhält, hat mehr Auftritte und damit mehr Gehör verdient. Ich bin sicher: das wird schon werden.......
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Montag, 7. August 2017
Donnerstag, 27. Juli 2017
Jelly and the Duke, Artie and Woody
Hallo Freunde,
Musiker sind sich nicht immer in Freundschaft verbunden. Das ist menschlich und geht so durch die Epochen und durch die Stile. Dieses (Miss-)Verhältnis drückt sich oft nicht nur im persönlichen Umgang miteinander sondern auch in abschätzigen Urteilen aus. Solche Wertungen finden mitunter große Verbreitung, etwa wenn ein berühmter Musiker sich in seinen Erinnerungen entsprechend äußert. Ein Beispiel hatte ich in meinem Beitrag vom 18. April 2015 dargestellt: Louis Armstrong bezeichnete in seinen Erinnerungen an New Orleans den Trompeter Buddy Bolden als "grob und ungeschlacht". Ob das wirklich zutrifft, können wir nicht beurteilen. Von Bolden sind keine Plattenaufnahmen überliefert. Vielleicht handelt es sich um eine ganz subjektive Sichtweise. Aus dem Mund der Jazz-Legende Louis Armstrong aber wirkt das Verdikt doch wie ein musikalisches Todesurteil, gegen das sich der damals schon lange verstorbene Buddy Bolden nicht mehr zur Wehr setzen konnte.
Jelly Roll Morton ist in seinen Erinnerungen zurückhaltender. Morton bezeichnet Buddy schlicht als "den gewaltigsten aller Trompeter und den absoluten Liebling aller Stammkunden des Gartenquartiers" in New Orleans. "Einen gewaltigeren Trompeter hat es seit dem Erzengel Gabriel nicht gegeben. Es kam vor, dass wir an irgendeiner Ecke herumlümmelten und nicht wußten, daß draußen im Lincoln Park Tanz war. Dann hörten wir Buddys Kornett und zogen los. War einmal wenig Publikum im Lincoln Park, so richtete Buddy sein Horn gegen das Stadtzentrum und blies seinen Blues, um, wie er zu sagen pflegte, ´seine Kinder heimzurufen´. Dann wußte die ganze Stadt, daß Buddy im Park spielte, zehn oder zwölf Meilen vom Zentrum entfernt". (Zit. n. Jelly Roll Morton/Alan Lomax, Doctor Jazz, Sammlung Luchterhand 1992, S. 65f.). Dies sagt nichts über die künstlerische Qualität von Buddy`s Trompetenspiel aus, aber spiegelt dessen Stellung in der frühen Jazzszene von New Orleans wider. Einmal die Sicht des Trumpet-Kings Louis, einmal die Sicht des Publikums, wiedergegeben in der Erinnerung des Pianisten Jelly Roll Morton: es kommt eben immer auf die Perspektive an.
Bleiben wir bei Jelly. Ihn verband eine Feindschaft mit dem Pianisten, Komponisten und Bandleader Duke Ellington. Der Duke erntete seinen ersten frühen Ruhm mit dem Jungle-Style seines Orchesters. Jelly hatte 1927 selbst einen Titel in dieser Richtung eingespielt, seine Komposition "Jungle Blues". Morton warf Ellington vor, den Jungle-Style bei ihm gestohlen zu haben. Ellington revanchierte sich mit abfälligen Bemerkungen, etwa dieser Art: "Jelly Roll Morton played piano like one of those high School teachers in Washington". (Zit. n. Howard Reich/William Gaines, Jelly`s Blues, Cambridge (USA) 2003, S. 231). Als Jelly am 16. Juli 1941 in Los Angeles beigesetzt wurde, fehlte Ellington unter den Trauergästen. Dies wurde von Zeitgenossen aufmerksam registriert und als bewusstes Zeichen gewertet, weil der Duke ganz in der Nähe, im Mayan Theatre in Los Angeles, mit seiner Band gastierte. Das war dann wohl mehr als eine lebenslange Feindschaft.
Und noch ein drittes Beispiel für ein abschätziges Urteil von Musikerkollege zu Musikerkollege. Diesmal geht es um Klarinettisten. Artie Shaw nahm kein Blatt vor den Mund in der Bewertung von Woody Herman. "Woody had a good band...I don`t know how he did it; he played badly". Lediglich seinen Kollegen Benny Goodman erkannte Shaw als ebenbürtig an. Aber: ""Woody is not our league". (Zit. n. Tom Nolan, Three Chords for Beauty`s Sake. The Life of Artie Shaw, New York, London 2010, S. 190 u. S. 298).
Soll man die Musiker dafür kritisieren, dass sie so unverblümt, ja schonungslos über Kollegen urteilen? Was bleibt, ist ja nicht die gegenseitige Geringschätzung, sondern die Musik (außer im Fall von Buddy Bolden). Armstrong, Morton, Ellington, Shaw, Herman: sie sind aus der Jazzgeschichte nicht wegzudenken. Die Eifersüchteleien und Streitereien werden mit zunehmendem Abstand dagegen immer mehr zu Marginalien, zu - um im Bild zu bleiben - Randnoten..........
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Musiker sind sich nicht immer in Freundschaft verbunden. Das ist menschlich und geht so durch die Epochen und durch die Stile. Dieses (Miss-)Verhältnis drückt sich oft nicht nur im persönlichen Umgang miteinander sondern auch in abschätzigen Urteilen aus. Solche Wertungen finden mitunter große Verbreitung, etwa wenn ein berühmter Musiker sich in seinen Erinnerungen entsprechend äußert. Ein Beispiel hatte ich in meinem Beitrag vom 18. April 2015 dargestellt: Louis Armstrong bezeichnete in seinen Erinnerungen an New Orleans den Trompeter Buddy Bolden als "grob und ungeschlacht". Ob das wirklich zutrifft, können wir nicht beurteilen. Von Bolden sind keine Plattenaufnahmen überliefert. Vielleicht handelt es sich um eine ganz subjektive Sichtweise. Aus dem Mund der Jazz-Legende Louis Armstrong aber wirkt das Verdikt doch wie ein musikalisches Todesurteil, gegen das sich der damals schon lange verstorbene Buddy Bolden nicht mehr zur Wehr setzen konnte.
Jelly Roll Morton ist in seinen Erinnerungen zurückhaltender. Morton bezeichnet Buddy schlicht als "den gewaltigsten aller Trompeter und den absoluten Liebling aller Stammkunden des Gartenquartiers" in New Orleans. "Einen gewaltigeren Trompeter hat es seit dem Erzengel Gabriel nicht gegeben. Es kam vor, dass wir an irgendeiner Ecke herumlümmelten und nicht wußten, daß draußen im Lincoln Park Tanz war. Dann hörten wir Buddys Kornett und zogen los. War einmal wenig Publikum im Lincoln Park, so richtete Buddy sein Horn gegen das Stadtzentrum und blies seinen Blues, um, wie er zu sagen pflegte, ´seine Kinder heimzurufen´. Dann wußte die ganze Stadt, daß Buddy im Park spielte, zehn oder zwölf Meilen vom Zentrum entfernt". (Zit. n. Jelly Roll Morton/Alan Lomax, Doctor Jazz, Sammlung Luchterhand 1992, S. 65f.). Dies sagt nichts über die künstlerische Qualität von Buddy`s Trompetenspiel aus, aber spiegelt dessen Stellung in der frühen Jazzszene von New Orleans wider. Einmal die Sicht des Trumpet-Kings Louis, einmal die Sicht des Publikums, wiedergegeben in der Erinnerung des Pianisten Jelly Roll Morton: es kommt eben immer auf die Perspektive an.
Bleiben wir bei Jelly. Ihn verband eine Feindschaft mit dem Pianisten, Komponisten und Bandleader Duke Ellington. Der Duke erntete seinen ersten frühen Ruhm mit dem Jungle-Style seines Orchesters. Jelly hatte 1927 selbst einen Titel in dieser Richtung eingespielt, seine Komposition "Jungle Blues". Morton warf Ellington vor, den Jungle-Style bei ihm gestohlen zu haben. Ellington revanchierte sich mit abfälligen Bemerkungen, etwa dieser Art: "Jelly Roll Morton played piano like one of those high School teachers in Washington". (Zit. n. Howard Reich/William Gaines, Jelly`s Blues, Cambridge (USA) 2003, S. 231). Als Jelly am 16. Juli 1941 in Los Angeles beigesetzt wurde, fehlte Ellington unter den Trauergästen. Dies wurde von Zeitgenossen aufmerksam registriert und als bewusstes Zeichen gewertet, weil der Duke ganz in der Nähe, im Mayan Theatre in Los Angeles, mit seiner Band gastierte. Das war dann wohl mehr als eine lebenslange Feindschaft.
Und noch ein drittes Beispiel für ein abschätziges Urteil von Musikerkollege zu Musikerkollege. Diesmal geht es um Klarinettisten. Artie Shaw nahm kein Blatt vor den Mund in der Bewertung von Woody Herman. "Woody had a good band...I don`t know how he did it; he played badly". Lediglich seinen Kollegen Benny Goodman erkannte Shaw als ebenbürtig an. Aber: ""Woody is not our league". (Zit. n. Tom Nolan, Three Chords for Beauty`s Sake. The Life of Artie Shaw, New York, London 2010, S. 190 u. S. 298).
Soll man die Musiker dafür kritisieren, dass sie so unverblümt, ja schonungslos über Kollegen urteilen? Was bleibt, ist ja nicht die gegenseitige Geringschätzung, sondern die Musik (außer im Fall von Buddy Bolden). Armstrong, Morton, Ellington, Shaw, Herman: sie sind aus der Jazzgeschichte nicht wegzudenken. Die Eifersüchteleien und Streitereien werden mit zunehmendem Abstand dagegen immer mehr zu Marginalien, zu - um im Bild zu bleiben - Randnoten..........
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Montag, 8. Mai 2017
Diether Thoma und der Dixie-Jazz
Hallo Freunde,
am Wochenende las ich in der Zeitung, dass Diether Thoma, ein früherer Hörfunk-Chefredakteur des WDR, gestorben ist. Ich denke, viele erinnern sich noch an ihn. Als Moderator des "Mittagsmagazins" war er sehr präsent. Sein trockener, oft hintergründiger Humor, seine stets unaufgeregten und unvoreingenommen geführten Interviews zeichneten ihn aus. Eigenschaften, die man heute mitunter schmerzlich vermisst.
Diether Thoma war aber auch im Fernsehen zugegen. In den 70er Jahren präsentierte er gemeinsam mit Alfred Biolek den "Kölner Treff", damals eine Kultsendung am Sonntagabend. Hier ergänzten sich der bedächtig wirkende Diether Thoma und der unkonventionellere, spritzigere Alfred Biolek in hervorragender Weise. In dieser Zeit war auch musikalische Umrahmung durch eine Band, so wie bei anderen Talkshows auch, fester Bestandteil der Sendung. Dazu gehörten auch diverse Gruppen des traditionellen Jazz. Ich durfte einmal in einer solchen Sendung mitwirken. Das war damals noch nicht die OK-JAZZBAND, sondern die Delta-Jazzband. Grund für die Einladung war, dass ein Bandmitglied, der Bassist Peter Dung, auch Talkgast war. Er repräsentierte den Typ des aufgeschlossenen, liberalen Richters - das war sein Brotberuf -, der sich vom damals noch häufig anzutreffenden verknöcherten Amtsjuristen (der Spruch der Studentenbewegung "unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren" war nicht nur auf Professoren gemünzt) unterschied. Das kam auch äußerlich in Peters Haartracht der 60er und 70er Jahre zum Ausdruck - damals hinter Gerichtsmauern noch eine absolute Seltenheit und auch Stein des Anstoßes.
Die Delta-Jazzband bestand zu dieser Zeit aus Helmut Richrath (tp), Frank Hübner (tb), Peter Karbaum (bj), Knut Fischer (dr), meiner Wenigkeit an der Klarinette und eben Peter Dung. Ich erinnere mich, dass es damals - im Jahr 1976, wenn ich mich nicht täusche -, zunächst unsere Aufgabe war, das Publikum in Stimmung zu bringen. Während der Sendung spielten wir dann drei Titel. "Somebody Stole My Gal", "When You`re Smiling" (von Peter Dung gesungen) und ein exotisches Stück von Artie Shaw, "Whe The Quail Come Back zu St. Quentin".
Zwei Dinge sind mir im Zusammenhang mit dieser Talkshow außerdem in Erinnerung geblieben. Die Moderatoren und ihre Gäste hatten viel Zeit für die Gespräche. Vier Gesprächsduette - Thoma und Biolek führten die Talks jeweils getrennt und immer nur mit einem Gast - in anderthalb Stunden.
Die Gäste waren außer Peter Willy Millowitsch, der Soziologe Professor Alfons Silbermann von der Kölner Universität und ein Body-Building-As aus Köln, dessen Name mir entfallen ist. Heute mag es überraschen, damals aber war es mehr oder weniger selbstverständlich, dass alle Talkgäste einschließlich der Band aus Köln kamen. Schließlich sah sich der WDR als Nabel der Welt. Einseitigkeit auch in anderer Hinsicht: die Moderatoren: Männer, die Talkgäste: Männer und die Band: ebenfalls Männer. Es war eben so manches etwas anders als heute. Wenn es in der Gegenwart Talkshows mit Musik gibt, gehört in aller Regel der Trad-Jazz nicht dazu. Das ist aber kein Grund, den alten Zeiten nachzutrauern. Wenn unsere Musik lebendig ist und bleibt, dann wird sie auch ihren Weg in die Sendungen von Radio und Fernsehen finden. Dazu gehört eben, dass der Jazz sich wandelt, mit der Zeit geht, so wie auch die Talkshows von heute nicht mehr mit denen der 70er Jahre zu vergleichen sind.......
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
am Wochenende las ich in der Zeitung, dass Diether Thoma, ein früherer Hörfunk-Chefredakteur des WDR, gestorben ist. Ich denke, viele erinnern sich noch an ihn. Als Moderator des "Mittagsmagazins" war er sehr präsent. Sein trockener, oft hintergründiger Humor, seine stets unaufgeregten und unvoreingenommen geführten Interviews zeichneten ihn aus. Eigenschaften, die man heute mitunter schmerzlich vermisst.
Diether Thoma war aber auch im Fernsehen zugegen. In den 70er Jahren präsentierte er gemeinsam mit Alfred Biolek den "Kölner Treff", damals eine Kultsendung am Sonntagabend. Hier ergänzten sich der bedächtig wirkende Diether Thoma und der unkonventionellere, spritzigere Alfred Biolek in hervorragender Weise. In dieser Zeit war auch musikalische Umrahmung durch eine Band, so wie bei anderen Talkshows auch, fester Bestandteil der Sendung. Dazu gehörten auch diverse Gruppen des traditionellen Jazz. Ich durfte einmal in einer solchen Sendung mitwirken. Das war damals noch nicht die OK-JAZZBAND, sondern die Delta-Jazzband. Grund für die Einladung war, dass ein Bandmitglied, der Bassist Peter Dung, auch Talkgast war. Er repräsentierte den Typ des aufgeschlossenen, liberalen Richters - das war sein Brotberuf -, der sich vom damals noch häufig anzutreffenden verknöcherten Amtsjuristen (der Spruch der Studentenbewegung "unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren" war nicht nur auf Professoren gemünzt) unterschied. Das kam auch äußerlich in Peters Haartracht der 60er und 70er Jahre zum Ausdruck - damals hinter Gerichtsmauern noch eine absolute Seltenheit und auch Stein des Anstoßes.
Die Delta-Jazzband bestand zu dieser Zeit aus Helmut Richrath (tp), Frank Hübner (tb), Peter Karbaum (bj), Knut Fischer (dr), meiner Wenigkeit an der Klarinette und eben Peter Dung. Ich erinnere mich, dass es damals - im Jahr 1976, wenn ich mich nicht täusche -, zunächst unsere Aufgabe war, das Publikum in Stimmung zu bringen. Während der Sendung spielten wir dann drei Titel. "Somebody Stole My Gal", "When You`re Smiling" (von Peter Dung gesungen) und ein exotisches Stück von Artie Shaw, "Whe The Quail Come Back zu St. Quentin".
Zwei Dinge sind mir im Zusammenhang mit dieser Talkshow außerdem in Erinnerung geblieben. Die Moderatoren und ihre Gäste hatten viel Zeit für die Gespräche. Vier Gesprächsduette - Thoma und Biolek führten die Talks jeweils getrennt und immer nur mit einem Gast - in anderthalb Stunden.
Die Gäste waren außer Peter Willy Millowitsch, der Soziologe Professor Alfons Silbermann von der Kölner Universität und ein Body-Building-As aus Köln, dessen Name mir entfallen ist. Heute mag es überraschen, damals aber war es mehr oder weniger selbstverständlich, dass alle Talkgäste einschließlich der Band aus Köln kamen. Schließlich sah sich der WDR als Nabel der Welt. Einseitigkeit auch in anderer Hinsicht: die Moderatoren: Männer, die Talkgäste: Männer und die Band: ebenfalls Männer. Es war eben so manches etwas anders als heute. Wenn es in der Gegenwart Talkshows mit Musik gibt, gehört in aller Regel der Trad-Jazz nicht dazu. Das ist aber kein Grund, den alten Zeiten nachzutrauern. Wenn unsere Musik lebendig ist und bleibt, dann wird sie auch ihren Weg in die Sendungen von Radio und Fernsehen finden. Dazu gehört eben, dass der Jazz sich wandelt, mit der Zeit geht, so wie auch die Talkshows von heute nicht mehr mit denen der 70er Jahre zu vergleichen sind.......
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Freitag, 21. April 2017
Super-Jazzclub Gladbeck
Hallo Freunde,
der Jazzclub Gladbeck ist einer der wenigen verbliebenen Clubs im Land und zeichnet sich durch große Aktivität aus. Das verdient Anerkennung und Unterstützung. Garant für die Lebendigkeit ist sicher auch der Vorsitzende Wolfgang Röken, dem es immer wieder gelingt, gute und sehr gute Gruppen ins nördliche Ruhrgebiet zu holen und dafür auch die nötigen Sponsoren zu gewinnen. Denn ein Markenzeichen des Clubs ist es auch, die Veranstaltungen zu erschwinglichen Eintrittspreisen anzubieten.
Die Programmgestaltung geht mit der Zeit. Zunehmend treten Events mit Blues, Gospel, Cajun usw. in den Vordergrund. Die Wurzeln des guten alten Dixieland- und New Orleans Jazz werden gleichwohl gepflegt. Insgesamt ein gelungener Spagat. Und so wundert es nicht, dass der rührige Vorsitzende auf der Web-Site des Clubs von einem "Spitzenprogramm der Extraklasse" spricht und jubiliert: "Ein solches Programm gab es noch nie". Das kann man getrost unterschreiben, denn jedes Jahresprogramm ist ja anders.
Aber die alten Zeiten waren auch nicht schlecht. Mir fiel ein vergilbtes Programm aus dem Jahr 1999 in die Hand. Dort heißt es über das abgelaufene Programmjahr: "Jazz in Swinging Gladbeck: 1998 stellte alles in den Schatten". Und weiter: "1998 war ein Super-Jazz-Jahr. Es stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Mehr als 10.000 Menschen kamen zu den Veranstaltungen des Jazzclubs. Damit hat sich Gladbeck zu einer Hochburg des traditionellen Jazz im Ruhrgebiet entwickelt". Worte des damaligen Vorsitzenden: Wolfgang Röken.
Man sieht: aus der Distanz relativiert sich alles. Denn fast 20 Jahre später scheint ja auch das Programm von damals und der Nachfolgejahre getoppt zu sein. Übrigens traten damals u.a. Kenny Ball und Bob Kerr in Gladbeck auf. Wenn heute also wirklich alles noch einmal viel besser ist: Hut ab!
Jetzt aber Ironie beiseite: Klappern gehört zum Handwerk. Schließlich müssen die Besucher gelockt und mit dem Erfolg der Konzerte auch die Sponsoren überzeugt werden. Denn im nächsten Jahr soll es dann ja wohl ein noch tolleres Programm geben, wofür wir heute schon viel Erfolg wünschen......
www.ok-jazzband.de
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
der Jazzclub Gladbeck ist einer der wenigen verbliebenen Clubs im Land und zeichnet sich durch große Aktivität aus. Das verdient Anerkennung und Unterstützung. Garant für die Lebendigkeit ist sicher auch der Vorsitzende Wolfgang Röken, dem es immer wieder gelingt, gute und sehr gute Gruppen ins nördliche Ruhrgebiet zu holen und dafür auch die nötigen Sponsoren zu gewinnen. Denn ein Markenzeichen des Clubs ist es auch, die Veranstaltungen zu erschwinglichen Eintrittspreisen anzubieten.
Die Programmgestaltung geht mit der Zeit. Zunehmend treten Events mit Blues, Gospel, Cajun usw. in den Vordergrund. Die Wurzeln des guten alten Dixieland- und New Orleans Jazz werden gleichwohl gepflegt. Insgesamt ein gelungener Spagat. Und so wundert es nicht, dass der rührige Vorsitzende auf der Web-Site des Clubs von einem "Spitzenprogramm der Extraklasse" spricht und jubiliert: "Ein solches Programm gab es noch nie". Das kann man getrost unterschreiben, denn jedes Jahresprogramm ist ja anders.
Aber die alten Zeiten waren auch nicht schlecht. Mir fiel ein vergilbtes Programm aus dem Jahr 1999 in die Hand. Dort heißt es über das abgelaufene Programmjahr: "Jazz in Swinging Gladbeck: 1998 stellte alles in den Schatten". Und weiter: "1998 war ein Super-Jazz-Jahr. Es stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Mehr als 10.000 Menschen kamen zu den Veranstaltungen des Jazzclubs. Damit hat sich Gladbeck zu einer Hochburg des traditionellen Jazz im Ruhrgebiet entwickelt". Worte des damaligen Vorsitzenden: Wolfgang Röken.
Man sieht: aus der Distanz relativiert sich alles. Denn fast 20 Jahre später scheint ja auch das Programm von damals und der Nachfolgejahre getoppt zu sein. Übrigens traten damals u.a. Kenny Ball und Bob Kerr in Gladbeck auf. Wenn heute also wirklich alles noch einmal viel besser ist: Hut ab!
Jetzt aber Ironie beiseite: Klappern gehört zum Handwerk. Schließlich müssen die Besucher gelockt und mit dem Erfolg der Konzerte auch die Sponsoren überzeugt werden. Denn im nächsten Jahr soll es dann ja wohl ein noch tolleres Programm geben, wofür wir heute schon viel Erfolg wünschen......
www.ok-jazzband.de
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Samstag, 1. April 2017
Scott Joplin: 100. Todestag
Hallo Freunde,
am 01. April 1917 ist Scott Joplin, der große Ragtime-Pionier gestorben. .Ich denke, Ihr kennt seine berühmte Komposition "The Entertainer" und auch den "Maple Leaf Rag", der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Joplin`s erfolgreichstes Werk war und als Sheet-Music millionenfach verkauft wurde. Als fast zeitgleich mit Joplin`s Tod die Ragtime-Ära endete und der Jazz seinen Siegeszug antrat - 1917 wurden bekanntlich auch die ersten Jazztitel von der "Original Dixieland Jazzband" eingepielt -, wurden auch die Kompositionen von Joplin und anderen Ragtime-Komponisten nicht mehr so häufig gespielt. Und trotzdem waren die spezifischen Merkmale des Ragtime in den Kompositionen und Aufnahmen der Jazzpioniere vielfach spürbar: die Synkopation und der typische Aufbau der Ragtimestücke zum Beispiel. Auf der anderen Seite taucht der Name "Rag" immer wieder mal in Werktiteln auf, ohne dass es sich wirklich um Ragtimekompositionen im ursprünglichen Sinn handeln muss. Jelly Roll Morton`s "Perfect Rag" etwa würde ich nicht als klassischen Ragtime bezeichnen und auch nicht den von Joe Oliver aufgenommenen "Snake Rag".
Eine detaillierte Analyse spare ich mir für eine spätere Gelegenheit auf. Die Titelgebung zeigt aber, dass sich die Pioniere der 20er Jahre durchaus dieser Wurzel bewusst waren und dass ihnen klar war, dass es weiterhin ein Publikum gab, das für aus diesen Ursprüngen gespeiste Musik empfänglich war.
Wenn man nach klassischen Ragtimekompositionen unter den Aufnahmen der 20er Jahre sucht, wird man etwa bei den "New Orleans Rhythm Kings" mit ihrer, wie ich meine, sehr schönen Einspielung des "Maple Leaf Rag" fündig. Ein interessanter früher Fall ist der "Original Dixieland One Step" (26.02.1917) der "Original Dixieland Jazz Band". Er enthält als Trio den "That Teasin´ Rag" von Joe Jordan. Hier handelt es sich um einen klassischen Fall von Plagiat. Denn Nick La Rocca und seine Mitstreiter von der ODJB machten diese Übernahme nicht kenntlich und gaben den One-Step als komplett von der ODJB geschaffenes Werk aus. Das führte dann zu einer heftigen gerichtlichen Auseinandersetzung. Am Ende standen ein finanzieller Vergleich und die Auflage, die Verwendung von Jordan`s Komposition bei späteren Pressungen deutlich zu machen.
Wenn die frühen Jazzmusiker Ragtime spielen, halten sie sich zumeist an eine Regel, die Joplin stets für seine Kompositionen vorgab, nicht: das Stück nicht schnell zu spielen. Meistens verwendeten sie zügige Tempi. Ich glaube, dass ein ganz entscheidender Grund für die eher geringe Popularität des Ragtime bei den traditionellen Jazzbands darin zu sehen ist, dass es sich um einen Klavierstil handelt. Ragtimekompositionen haben oft keine geradlinige, für das Lead-Instrument Trompete gut zu spielende Melodieführung. Das macht wiederum das Kollektivspiel schwieriger. Trotzdem gab es auch im Dixieland-Revival der 50er Jahre Versuche, neue Ragtimekompositionen zu etablieren. Ein Beispiel dafür ist Chris Barber mit dem "Merrydown Rag" und dem "St. George`s Rag". Barber berücksichtigte dabei allerdings die Anforderungen einer kollektiv spielenden Jazzband.
Scott Joplin und andere Komponisten waren mit ihren Werken unverzichtbare Vorbereiter des traditionellen Jazz, der sich aber auch aus anderen Quellen speiste. Es ist auch heute noch eine Freude, die Werke der Ragtimepioniere zu hören, ganz gleich, ob als Piano-Soli oder Bandaufführungen....
Soviel für heute.
Herzlich euer
Heribert von Stomp
am 01. April 1917 ist Scott Joplin, der große Ragtime-Pionier gestorben. .Ich denke, Ihr kennt seine berühmte Komposition "The Entertainer" und auch den "Maple Leaf Rag", der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Joplin`s erfolgreichstes Werk war und als Sheet-Music millionenfach verkauft wurde. Als fast zeitgleich mit Joplin`s Tod die Ragtime-Ära endete und der Jazz seinen Siegeszug antrat - 1917 wurden bekanntlich auch die ersten Jazztitel von der "Original Dixieland Jazzband" eingepielt -, wurden auch die Kompositionen von Joplin und anderen Ragtime-Komponisten nicht mehr so häufig gespielt. Und trotzdem waren die spezifischen Merkmale des Ragtime in den Kompositionen und Aufnahmen der Jazzpioniere vielfach spürbar: die Synkopation und der typische Aufbau der Ragtimestücke zum Beispiel. Auf der anderen Seite taucht der Name "Rag" immer wieder mal in Werktiteln auf, ohne dass es sich wirklich um Ragtimekompositionen im ursprünglichen Sinn handeln muss. Jelly Roll Morton`s "Perfect Rag" etwa würde ich nicht als klassischen Ragtime bezeichnen und auch nicht den von Joe Oliver aufgenommenen "Snake Rag".
Eine detaillierte Analyse spare ich mir für eine spätere Gelegenheit auf. Die Titelgebung zeigt aber, dass sich die Pioniere der 20er Jahre durchaus dieser Wurzel bewusst waren und dass ihnen klar war, dass es weiterhin ein Publikum gab, das für aus diesen Ursprüngen gespeiste Musik empfänglich war.
Wenn man nach klassischen Ragtimekompositionen unter den Aufnahmen der 20er Jahre sucht, wird man etwa bei den "New Orleans Rhythm Kings" mit ihrer, wie ich meine, sehr schönen Einspielung des "Maple Leaf Rag" fündig. Ein interessanter früher Fall ist der "Original Dixieland One Step" (26.02.1917) der "Original Dixieland Jazz Band". Er enthält als Trio den "That Teasin´ Rag" von Joe Jordan. Hier handelt es sich um einen klassischen Fall von Plagiat. Denn Nick La Rocca und seine Mitstreiter von der ODJB machten diese Übernahme nicht kenntlich und gaben den One-Step als komplett von der ODJB geschaffenes Werk aus. Das führte dann zu einer heftigen gerichtlichen Auseinandersetzung. Am Ende standen ein finanzieller Vergleich und die Auflage, die Verwendung von Jordan`s Komposition bei späteren Pressungen deutlich zu machen.
Wenn die frühen Jazzmusiker Ragtime spielen, halten sie sich zumeist an eine Regel, die Joplin stets für seine Kompositionen vorgab, nicht: das Stück nicht schnell zu spielen. Meistens verwendeten sie zügige Tempi. Ich glaube, dass ein ganz entscheidender Grund für die eher geringe Popularität des Ragtime bei den traditionellen Jazzbands darin zu sehen ist, dass es sich um einen Klavierstil handelt. Ragtimekompositionen haben oft keine geradlinige, für das Lead-Instrument Trompete gut zu spielende Melodieführung. Das macht wiederum das Kollektivspiel schwieriger. Trotzdem gab es auch im Dixieland-Revival der 50er Jahre Versuche, neue Ragtimekompositionen zu etablieren. Ein Beispiel dafür ist Chris Barber mit dem "Merrydown Rag" und dem "St. George`s Rag". Barber berücksichtigte dabei allerdings die Anforderungen einer kollektiv spielenden Jazzband.
Scott Joplin und andere Komponisten waren mit ihren Werken unverzichtbare Vorbereiter des traditionellen Jazz, der sich aber auch aus anderen Quellen speiste. Es ist auch heute noch eine Freude, die Werke der Ragtimepioniere zu hören, ganz gleich, ob als Piano-Soli oder Bandaufführungen....
Soviel für heute.
Herzlich euer
Heribert von Stomp
Mittwoch, 22. März 2017
Cologne-Dixieland-Company (CDC) digital
Hallo Freunde,
am 21. März 2015 hatte ich Euch die "Cologne-Dixieland-Company" vorgestellt und ans Herz gelegt.
Soviel erfrischende Spielfreude hat man nicht alle Tage. Und dazu kommt noch die musikalische Qualität des Sextetts, das in der Vergangenheit renommierte Preise erhalten hat. Die Band wurde übrigens 1978 gegründet, kann also im kommenden Jahr 40-jähriges Bestehen feiern.
In meinem Beitrag hatte ich nur einen Kritikpunkt: der Internetauftritt wurde meiner Meinung nach dem Können und dem Renommee der Gruppe nicht gerecht. Details könnt Ihr in meinen damaligen Zeilen nachlesen. Jetzt aber erhalte ich, fast auf den Tag genau nach zwei Jahren, Nachricht, dass dieses Defizit behoben sei. Ich habe die Web-Site aufgerufen - und tatsächlich: da erhält man jetzt die relevanten Informationen in sehr kompakter, auch optisch ansprechender Form. Respekt! Da sind u.a. Informationen zur Bandgeschichte zu finden, die Besetzung, Bandfotos und Hinweise auf die beachtliche Zahl von sieben CD-Einspielungen. Zur Besetzung: sie hat sich in den vergangenen zwei Jahren auf einigen Positionen verändert. Die Gruppe besteht jetzt aus: Werner Velte (tp), Naldo Suhr (cl), Manfred Zander (tb), Bernd Türner (b), Hans Kirchmayer (bj) und Achim Bräuer (dr). Die CDC mischt also weiter munter weiter in der traditionellen Jazzszene mit.
Abschließend kann ich Euch also nur den neuen Web-Auftritt der CDC empfehlen - und natürlich vor allem die Band selbst. Und ganz ehrlich - so ein Frühjahrsputz könnte der Web-Site der OK-JAZZBAND ebenfalls ganz gut tun.......
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
am 21. März 2015 hatte ich Euch die "Cologne-Dixieland-Company" vorgestellt und ans Herz gelegt.
Soviel erfrischende Spielfreude hat man nicht alle Tage. Und dazu kommt noch die musikalische Qualität des Sextetts, das in der Vergangenheit renommierte Preise erhalten hat. Die Band wurde übrigens 1978 gegründet, kann also im kommenden Jahr 40-jähriges Bestehen feiern.
In meinem Beitrag hatte ich nur einen Kritikpunkt: der Internetauftritt wurde meiner Meinung nach dem Können und dem Renommee der Gruppe nicht gerecht. Details könnt Ihr in meinen damaligen Zeilen nachlesen. Jetzt aber erhalte ich, fast auf den Tag genau nach zwei Jahren, Nachricht, dass dieses Defizit behoben sei. Ich habe die Web-Site aufgerufen - und tatsächlich: da erhält man jetzt die relevanten Informationen in sehr kompakter, auch optisch ansprechender Form. Respekt! Da sind u.a. Informationen zur Bandgeschichte zu finden, die Besetzung, Bandfotos und Hinweise auf die beachtliche Zahl von sieben CD-Einspielungen. Zur Besetzung: sie hat sich in den vergangenen zwei Jahren auf einigen Positionen verändert. Die Gruppe besteht jetzt aus: Werner Velte (tp), Naldo Suhr (cl), Manfred Zander (tb), Bernd Türner (b), Hans Kirchmayer (bj) und Achim Bräuer (dr). Die CDC mischt also weiter munter weiter in der traditionellen Jazzszene mit.
Abschließend kann ich Euch also nur den neuen Web-Auftritt der CDC empfehlen - und natürlich vor allem die Band selbst. Und ganz ehrlich - so ein Frühjahrsputz könnte der Web-Site der OK-JAZZBAND ebenfalls ganz gut tun.......
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Montag, 13. März 2017
Kansas City Stomp(s)
Hallo Freunde,
Dieser Tage habe ich mich mal wieder mit dem "Kansas City Stomp" (Puristen sagen auch: den "Kansas City Stomps", weil es so etwa auf der Klavier-Ausgabe steht) von Jelly Roll Morton beschäftigt. Dieses Stück, das ja bekanntlich in Jelly`s Zeit in Tia Juana, Mexiko, entstanden ist, besticht durch die fortlaufende Verwendung von Halbtonschritten. in einem grossen Teil der Komposition. Das erste Thema beginnt im ersten Takt unmittelbar mit vier Halbtonschritten von A über Bb über B nach C. Im zweiten Takt geht es dann weiter mit Db und D. Das alles auf der Dominante (Bb7) des in Eb-Dur stehenden Themas. Danach folgt eine Reihe weiterer Halbtonschritte, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Auch das zweite Thema bedient sich der Halbtonschritte - und zwar sowohl im Diskant als auch im Bass. Im Trio schließlich ist die Melodie ebenfalls eng geführt, löst sich hier aber von den Halbtonschritten.
Das Intro des "Kansas City Stomp", das sich (in der Klavierausgabe) in Oktavsprüngen über drei Oktaven erstreckt, steht zu den gesamten folgenden Teilen in einem wirkungsvollen Kontrast. Leider wurde diese Spannung im Orchesterarrangement von Elmer Schoebel (1925) herausgenommen. Er versah, sicher in guter Absicht, das Stück mit einem kompakten Intro, das die Intention Mortons in den folgenden Themen vorwegnimmt und das Stück dadurch glättet. Morton hat aber in seiner eigenen Orchesteraufnahme 1928 sein Grundkonzept mit den Oktavsprüngen (Klarinette, Trompete, Posaune, Tuba) beibehalten.
Der "Kansas City Stomp" steht zwar in der Hitliste des Trad.-Kanons nicht ganz oben, ist aber bei vielen Oldtime-Bands ein beliebter Standard. Das eingängige erste Thema ist eine fröhliche, luftig-leichte Eröffnung, die sich gut für die Kollektiv-Improvisation eignet. Das zweite Thema ist da schon ein wenig schwieriger zu handhaben. Das liegt an den etwas sperrigen, riffartig gesetzten Blockakkorden im Diskant, die im Kontrast zum lebhaften Bass mit seinen, für Morton typischen, eingestreuten Achtelnoten-Folgen liegen, die jeweils zur nächsten Harmonie führen. Dieser charakteristische, das zweite Thema mitprägende Basslauf kann m.E. nur mit der Tuba (alternativ auch von der Posaune) adäquat wiedergegeben werden (und natürlich vom Piano). Morton hat sich in seiner Aufnahme von 1928 für die Tuba-Lösung entschieden und den Diskant der Klarinette als Solo gegeben. Dies ist aber m.E. nicht ganz befriedigend. Die Klarinette (Omer Simeon) kann sich in den oben beschrieben engen Grenzen (zu den Halbton- kommen noch Ganztonschritte) kaum entfalten,
die harmonische Wirkung der Blockakkorde kommt ebenfalls unzureichend zur Geltung. Die Wiederholung dieses Themas übernimmt dann Morton am Piano selbst, bleibt hier aber ebenfalls, wie ich meine, unentschlossen. Unter dem Strich jedenfalls bleibt der in der Komposition wirkungsvolle Kontrast zwischen erstem und zweitem Thema auf der Strecke. Mein Eindruck ist, dass auch andere Bands mit dem zweiten Thema so ihre Probleme hatten. Das Trio schließlich lädt, anders als bei vielen anderen Stomps, nicht zur Kollektiv-Improvisation ein. Die 16 Takte sind in zwei 8-taktige Phasen aufgeteilt, die sich ihrerseits im ersten Durchgang in einen viertaktigen, weitgehend legato zu spielenden Blockakkordsatz und ein melodiöses, rhythmisch unterlegtes Riff unterteilen, während im zweiten Durchgang die auf die Blockakkorde folgende Melodieführung schließlich zur Kollektivimprovisation animiert. Im Grunde wird im Trio der Charakter des ersten mit dem Charakter des zweiten Themas, so nehme ich es wahr, zu einer Symbiose geführt.
Morton hat in seiner Red-Hot-Peppers-Aufnahme den Kontrast zwischen Blockakkorden und rhythmischem Riffteil voll ausgespielt. Die Blockakkorde werden als kleiner Big-Band-Satz weitegehend (Ausnahme: Schlagzeug) ohne rhythmische Unterlegung vom Kollektiv gespielt. Danach folgen jeweils Trompeten-Soli von Ward Pinkett - und zwar einschließlich der Takte 13-16. Die Kollektivimprovisation hebt Morton sich für die anschließende Wiederholung des ersten Themas auf. Diese orchestrale Auflösung des Trios ist zwar reizvoll, die Improvisationen von Pinkett lassen allerdings das melodische Riff nur noch erahnen. Daher bietet sich als Alternative an, das Riff als zweistimmigen Satz zu spielen, so wie es die OK-JAZZBAND in ihrer Interpretation getan hat.
Ihr seht also: der Kansas-City-Stomp setzt sich aus drei eigenständig gestalteten Themen (plus Vorspiel) zusammen, die aber sowohl durch die Kontraste als auch die Verbindungen untereinander ein Ganzes ergeben. Man kann also - siehe oben, sowohl von "den Kansas-City-Stomps" als auch - wie ich es bevorzuge - von "dem Kansas City Stomp" sprechen. Die Vielfalt in der Einheit macht den Reiz dieser Komposition aus. Ich denke, bei genauerer Betrachtung lassen sich noch mehr interessante Aspekte entdecken. Viel Spaß dabei......
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Dieser Tage habe ich mich mal wieder mit dem "Kansas City Stomp" (Puristen sagen auch: den "Kansas City Stomps", weil es so etwa auf der Klavier-Ausgabe steht) von Jelly Roll Morton beschäftigt. Dieses Stück, das ja bekanntlich in Jelly`s Zeit in Tia Juana, Mexiko, entstanden ist, besticht durch die fortlaufende Verwendung von Halbtonschritten. in einem grossen Teil der Komposition. Das erste Thema beginnt im ersten Takt unmittelbar mit vier Halbtonschritten von A über Bb über B nach C. Im zweiten Takt geht es dann weiter mit Db und D. Das alles auf der Dominante (Bb7) des in Eb-Dur stehenden Themas. Danach folgt eine Reihe weiterer Halbtonschritte, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Auch das zweite Thema bedient sich der Halbtonschritte - und zwar sowohl im Diskant als auch im Bass. Im Trio schließlich ist die Melodie ebenfalls eng geführt, löst sich hier aber von den Halbtonschritten.
Das Intro des "Kansas City Stomp", das sich (in der Klavierausgabe) in Oktavsprüngen über drei Oktaven erstreckt, steht zu den gesamten folgenden Teilen in einem wirkungsvollen Kontrast. Leider wurde diese Spannung im Orchesterarrangement von Elmer Schoebel (1925) herausgenommen. Er versah, sicher in guter Absicht, das Stück mit einem kompakten Intro, das die Intention Mortons in den folgenden Themen vorwegnimmt und das Stück dadurch glättet. Morton hat aber in seiner eigenen Orchesteraufnahme 1928 sein Grundkonzept mit den Oktavsprüngen (Klarinette, Trompete, Posaune, Tuba) beibehalten.
Der "Kansas City Stomp" steht zwar in der Hitliste des Trad.-Kanons nicht ganz oben, ist aber bei vielen Oldtime-Bands ein beliebter Standard. Das eingängige erste Thema ist eine fröhliche, luftig-leichte Eröffnung, die sich gut für die Kollektiv-Improvisation eignet. Das zweite Thema ist da schon ein wenig schwieriger zu handhaben. Das liegt an den etwas sperrigen, riffartig gesetzten Blockakkorden im Diskant, die im Kontrast zum lebhaften Bass mit seinen, für Morton typischen, eingestreuten Achtelnoten-Folgen liegen, die jeweils zur nächsten Harmonie führen. Dieser charakteristische, das zweite Thema mitprägende Basslauf kann m.E. nur mit der Tuba (alternativ auch von der Posaune) adäquat wiedergegeben werden (und natürlich vom Piano). Morton hat sich in seiner Aufnahme von 1928 für die Tuba-Lösung entschieden und den Diskant der Klarinette als Solo gegeben. Dies ist aber m.E. nicht ganz befriedigend. Die Klarinette (Omer Simeon) kann sich in den oben beschrieben engen Grenzen (zu den Halbton- kommen noch Ganztonschritte) kaum entfalten,
die harmonische Wirkung der Blockakkorde kommt ebenfalls unzureichend zur Geltung. Die Wiederholung dieses Themas übernimmt dann Morton am Piano selbst, bleibt hier aber ebenfalls, wie ich meine, unentschlossen. Unter dem Strich jedenfalls bleibt der in der Komposition wirkungsvolle Kontrast zwischen erstem und zweitem Thema auf der Strecke. Mein Eindruck ist, dass auch andere Bands mit dem zweiten Thema so ihre Probleme hatten. Das Trio schließlich lädt, anders als bei vielen anderen Stomps, nicht zur Kollektiv-Improvisation ein. Die 16 Takte sind in zwei 8-taktige Phasen aufgeteilt, die sich ihrerseits im ersten Durchgang in einen viertaktigen, weitgehend legato zu spielenden Blockakkordsatz und ein melodiöses, rhythmisch unterlegtes Riff unterteilen, während im zweiten Durchgang die auf die Blockakkorde folgende Melodieführung schließlich zur Kollektivimprovisation animiert. Im Grunde wird im Trio der Charakter des ersten mit dem Charakter des zweiten Themas, so nehme ich es wahr, zu einer Symbiose geführt.
Morton hat in seiner Red-Hot-Peppers-Aufnahme den Kontrast zwischen Blockakkorden und rhythmischem Riffteil voll ausgespielt. Die Blockakkorde werden als kleiner Big-Band-Satz weitegehend (Ausnahme: Schlagzeug) ohne rhythmische Unterlegung vom Kollektiv gespielt. Danach folgen jeweils Trompeten-Soli von Ward Pinkett - und zwar einschließlich der Takte 13-16. Die Kollektivimprovisation hebt Morton sich für die anschließende Wiederholung des ersten Themas auf. Diese orchestrale Auflösung des Trios ist zwar reizvoll, die Improvisationen von Pinkett lassen allerdings das melodische Riff nur noch erahnen. Daher bietet sich als Alternative an, das Riff als zweistimmigen Satz zu spielen, so wie es die OK-JAZZBAND in ihrer Interpretation getan hat.
Ihr seht also: der Kansas-City-Stomp setzt sich aus drei eigenständig gestalteten Themen (plus Vorspiel) zusammen, die aber sowohl durch die Kontraste als auch die Verbindungen untereinander ein Ganzes ergeben. Man kann also - siehe oben, sowohl von "den Kansas-City-Stomps" als auch - wie ich es bevorzuge - von "dem Kansas City Stomp" sprechen. Die Vielfalt in der Einheit macht den Reiz dieser Komposition aus. Ich denke, bei genauerer Betrachtung lassen sich noch mehr interessante Aspekte entdecken. Viel Spaß dabei......
Soviel für heute.
Herzlich Euer
Heribert von Stomp
Abonnieren
Posts (Atom)